Gott spricht

Gott spricht

Es ist Krieg.

Daher möchte ich alle Menschen wissen lassen:

Ich wasche meine Hände in Unschuld.

Die Menschen führen diesen Krieg.

Einige.

Bestimmte.

Bei lebendigem Leib Verdammte.

Sie beschenkten sich nicht mit Liebe,

Wie ich angeordnet habe.

Sondern sie führen Krieg.

Sie verfolgen einen einzigen Plan

Menschen auszurotten.

Zu erschießen, zu vergewaltigen, zu enthaupten.

Warum?

Ich frage dies die Schuldigen.

So wie viele Menschen mich fragen:

Warum hast Du, oh Gott, das zugelassen?

Ich bin nicht schuldig.

Ich habe nicht eingegriffen.

Ihr Menschen habt den Krieg begonnen.

Meine Gebote übertreten.

Gegen die Natur gesündigt.

Ihr könnt mir keine Warum-Frage stellen.

Daher bin ich nicht bereit, Euch Antworten zu geben.

Wer bin ich?

Dass ich mich um Euer Gezänk kümmere?

Ihr tragt im Herzen die Gier.

Den Hass.

Die Mordlust.

Was kann ich dagegen unternehmen?

Ihr sagt:

Ihr seid meine Schöpfung.

Daher trage ich eine Mitschuld.

Ich entgegne Euch:

Meine Schöpfung ist voller Liebe.

Woher kommt Eure Gier?

Euer Hass?

Eure Mordlust?

Ihr seid heruntergekommen, marode, mies, verludert, verkommen.

So habe ich Euch nie erschaffenen.

Fragt mich nicht nach dem Warum.

Sondern fragt euch selbst: Warum?

Es ist Krieg.

Und ich wasche meine Hände in Unschuld.

Ich werde gegen Euch Sanktionen erlassen.

Kein Manna.

Keinen Heiligen Geist.

Keine Sündenvergebung.

Ihr sollt seelisch verdorren.

Bis ihr den Krieg beendet habt.

Bis ihr alles wieder aufgebaut habt.

Bis ihr die Toten und Verletzten gesühnt habt.

Irgendwann werde ich eingreifen.

Und Euch mit himmlischen Bomben heimsuchen,

die zielgerichtet, Eure Seelen treffen.

Sie schießen größere Löcher als eure Mörser.

Ich werde mit dem Glanz meiner Gestalt, Eure empfindlichen Radargeräte lahmlegen.

Denn immer noch bin ich der Herr.

Ich werde die abtrünnigen Pfarrer bestrafen,

Die sich für einen Krieg einsetzen.

Und nicht für die Liebe.

Ich werde Feuer, Schwefel und Sturm über die Menschheit kommen lassen.

Daher will ich euch ein letztes Mal ermahnen.

Macht Frieden.

Besetzt kein fremdes Eigentum.

Sühnt eure Untaten.

Wenn ihr dies nicht tut,

Werde ich meinen Heiligen Zorn über euch kommen lassen.

Dann könnt ihr zurecht fragen: Warum?

Aber es wird keine Antwort geben.

Das sagte ich Euch, so wahr ich Euer Gott bin.

Darstellung von Dummheit

Darstellung der Dummheit in Bildern

Ich arbeite gerade an Bildern, die zu meinem Buch „Was ist Dummheit“ passen sollen. Das ist gar nicht so einfach. Wie stellt man Dummheit dar? Bei Dummheit geht es um vielfältige Handlungen. Dummheit ist Rauchen oder Krieg, Gier oder in ein Loch fallen. Man kann Dummheit gut beschreiben. Wie aber als Bild darstellen. Meine Idee war nun: Stühle stehen an einem Tisch, aber fast nie auf einem Tisch. Das könnte man als dumm bezeichnen. Der Stuhl ist zum Sitzen geschaffen, was nicht möglich ist, wenn der Stuhl auf dem Tisch steht. Also eine dumme Idee.

Ich habe nun Stuhl auf Tisch fotografiert. So ist der erste Teil dieser Ausstellung auch Gegenständliches. Im zweiten Teil habe ich die Bilder stark verfremdet, die Dummheit sozusagen kaschiert. Diese Bilder überwinden die Dummheit, indem sie nicht mehr so richtig den Stuhl auf dem Tisch zeigen, sondern Farbenchaos, Verzerrungen, Überlagerungen, einfach nur Farbe und Strukturen.

Ich finde beide Darstellungsarten interessant und werde beide Bildarten nutzen, um Dummheit fotografisch darzustellen.

Die Ostergeschichte

Die Ostergeschichte

In einer Zeitung habe ich gelesen, Ostern sei das neue Weihnachten. Für mich war Ostern schon immer wichtig – wichtiger als alle anderen Feiertage.

Ostern inspiriert mich.

Daher habe ich die Ostergeschichte neu erzählt.

In Worten.

Klar.

In Worten.

Wie sonst?

Sonst eher Sätze.

Nun aber Worte, manchmal auch Sätze.

Aber wenige.

So wirkt die Geschichte abgehackt.

Nicht mehr verbindlich.

Schon gar nicht soft.

Wie Trommelrhythmen.

Wer will,

kann sich darauf einlassen.

Die Worte lesen.

Von Palmsonntag

bis

Ostermontag.

Palmsonntag

Palmsonntag

Jesus marschiert.

Mit seinen Jüngern.

Und anderen.

Unbekannten, nicht genannten.

Aber Begeisterten.

Ihr Ziel Jerusalem.

Die schönste Stadt in der ganzen Welt.

Damals – für die Juden.

Besonders zum Passahfest.

Überfüllt. Viel zu viele Pferde und Esel und Karren.

Zu viel Verkehr.

Und natürlich die römischen Soldaten.

Ungeliebt.

An jeder Straßenecke stehen sie.

Sie sind nervös.

Aber das Volk ist freudig erregt.

Die Kinder singen.

Die Erwachsenen sind voller Vorfreude.

Die Männer schlachten ein Tier für den Festtag.

Die Frauen backen Brot.

In der Stadt verbreitet sich eine Botschaft.

Welche Botschaft?

Wo kommt sie her?

Facebook, Twitter?

Egal.

Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem.

Die Menschen freuten sich über diese Nachrticht.

Lachen.

Das Gesicht zu einer Grimasse verziehen.

Jubilieren.

Warum eigentlich?

„Weil Jesus kommt.“ Schreit einer.

Sie greifen nach Palmzweigen.

Die liegen in den Gassen herum.

Sonst nicht geachtet. Mit ihnen fegt man die Straße.

Nun werden sie als Fahne genutzt.

Manchmal auch als Schattenspender.

Denn die Sonne scheint bereits stark auf die Welt herab.

Sonne ist schön, ist gut.

Aber es war in den letzten Wochen viel zu trocken.

Auch schon im letzten Jahr.

Die Pflanzen wachsen nicht.

Verdorren.

Auch das Getreide entwickelt sich nicht gut.

Vielleicht sorgt Jesus für Regen.

Man sagt, er macht Wunder.

Es liegt jedenfalls viel Hoffnung in der Luft.

Die Menschen laufen Jesus entgegen.

Warum warten sie nicht bis er die die Stadt betritt?

Sie fiebern nach seiner Nähe.

Vielleicht können sie ein Autogramm ergattern.

Ist das nicht aufdringlich? Lasst ihn doch ausschreiten.

Zügig, Schritt für Schritt.

Er ist kräftig. Mit großen Schritten kommt er nun in die Stadt, passiert das Stadttor.

„Hosianna!“ rufen die Menschen.

„Gesegnet ist er, der im Namen des Herrn kommt.“

Ist das nicht etwas übertrieben? Woher weiß der einfache Bürger dies?

Die Schriftgelehrten haben es nicht ausgesprochen.

Die Idee ist im Volk entstanden.

Verbreitet sich immer.

Eine Medienkampagne?

Aus vielen Kehlen ruft es nach seinem Segen.

Schließlich laut.

Gut zu vernehmen.

Wie ein Donnerhall:

„Er ist der König Israels!“

Wie ist das zu verstehen?

Es gibt bereits einen König. Gibt es zwei Könige?

Dieses Geschrei erschöpft Jesus. Seine Schritte werden langsamer.

Seine Jünger zerren einen Esel herbei.

Sie ermahnen ihn: Setzt Dich auf den Esel. Schone Deine Kräfte.

Er will nicht.

Aber sie ermahnen ihn. Einer sagt sogar: „So steht es in der Schrift.“

So lässt sich Jesus überreden.

So soll es sein.

Er sitzt nicht eben bequem auf dem Esel

Auch Jesus kann nicht alles erreichen. Er kann sich nicht immer durchsetzen.

Er muss auf seine Berater hören. Er muss dem Willen des Volkes zuhören.

Niemand kann machen, was er will.

So wird die Schrift erfüllt.

Stellen jedenfalls die fest, die diese Geschichte fast 100 Jahre später niederschreiben.

„Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Dein König kommt! Er sitzt auf dem Jungen einer Eselin.“

Selbst den Jüngern war dieser Zusammenhang nicht klar.

Aber nachdenken hilft.

Ihnen fällt es wie Schuppen von den Augen.

So sagt man.

Sie sehen Jesus in seiner Herrlichkeit.

Woran erkennt man Herrlichkeit?

Weil die Person glänzt.

Weil sie in einen Sonnenstrahl gehüllt ist.

Die Jünger jedenfalls erkannten die Herrlichkeit.

Mit der Gewissheit, dass er König werden wird.

Noch ist er es nicht.

Aber das Volk wird ihn ausrufen.

Brüllen.

„Hosianna!“

Sie werden ihn auf den Thron setzen.

Dann wird Jesus auch für Regen sorgen.

Er wird das Getreide wachsen lassen.

Er wird den Armen zu essen geben.

Wunder.

Wunder gibt es immer wieder.

Wenn Jesus die Macht ergreift.

Im Land Israel ist nicht alles so gut, wie es den Anschein hat.

Aber jetzt kommt jedenfalls der König. Das ist gut so.

Es ist herrlich.

Die Menschen glauben, Jesus zu kennen.

Er hat einen Ruf.

Image.

Man nimmt an, ihn zu kennen.

Schließlich hat er Lazarus aus dem Grab gerufen und ihn auferweckt.

Das war doch diese wahnsinnige Geschichte.

Wie ein Toter aus dem Totenreich zurückkehrt.

Alle Menschen

Anscheinend alle

Wissen Bescheid.

Dabei hat keiner von ihnen mit Lazarus gesprochen.

Dieser Lazarus hat sich zurückgezogen. Er gab keine Interviews.

Und es gab auch keine Fernsehbilder von ihm. In Facebook konnte einiges lesen.

Aber nicht viel.

Und trotzdem. Alle wissen es.

Jedenfalls ist das Volk begeistert von diesem Jesus.

Was macht er eigentlich so? Hat er einen Beruf? Wie verdient er sein Geld?

Nicht so wichtig.

Es sind alle begeistert.

Weil er Zeichen macht.

Zeichen?

Naja, Wunder.

Nur die Pharisäer lassen sich von dieser Begeisterung nicht anstecken. Sie sehen eher skeptisch auf das Volk.

Das Volk ist wankelmütig. Dem Volk kann man nicht vertrauen.

Aber man muss es beachten.

Man kann nicht gegen das Volk agieren.

Sie diskutieren, stecken ihre Köpfe zusammen.

Einer sagt: „Ihr bemerkt, dass ihr jetzt nichts unternehmen könnt. Alle Welt, alles Volk läuft ihm nach.“

„Wir können nicht Hand an ihn legen.“

Was hatten sie vor?

Noch keine Pläne. Nur ärgerlich.

Dieses Aufsehen ist übertrieben.

Aber sie stellen fest, dass er in Jerusalem einreitet.

Auf einem Esel.

Die Menschen werfen Palmzweige auf den Boden.

Zu seinen Füssen.

Palmzweige wie ein Teppich.

Ein grüner Teppich über der staubigen Gasse.

Von Jesus gibt es übrigens keine Stellungnahme.

Er kommentierte nicht.

Er verkündigte nicht.

Er predigte nicht.

Er verhielt sich still.

Vielleicht betete er.

Aber das weiß natürlich niemand.

Gründonnerstag

Gründonnerstag

Wann erkennt man die Klarheit der Stunde?

Keine Ahnung.

Das ist bei jedem Menschen anders.

Manche finden überhaupt keine Klarheit.

Jesus sah klar. Aber noch lag sie in der Finsternis des Geschehens.

Keine konkreten Strukturen.

Keine Namen.

Doch Judas.

Was ist mit Judas?

Judas verwaltete das Geld ihrer Gruppe.

Damit sie sich ernähren konnten. Er kaufte das Brot und den Wein.

Dazu Schafskäse und Trauben.

Sie speisten nicht üppig, aber ausdauernd.

Besser vielleicht als arme Leute,

die es in Jerusalem im Überfluss gab.

Das Brot war teuer geworden, wegen den Missernten.

Zu viel Sonne, kein Regen.

Judas behauptete, sie hätten nicht mehr viel Geld.

Judas war der Sohn von Simon Iskariot.

Den Tag hatte Jesus in einem Hof verbracht.

Sich zurückgezogen.

Wollte sich nicht den Menschen aussetzen.

Auch wenn sie ihn nur feiern wollten.

Er spürte,

dass er Ruhe benötigte.

Zum Nachdenken.

Um sich zu konzentrieren. Einen Punkt anvisieren.

Der Punkt lag in der Zukunft.

Der Punkt war sein Schicksal.

Der Mensch kann das eigene Schicksal nicht erkennen.

Höchstens als einen unbestimmten Punkt.

Aber ein Punkt besagt nicht viel.

Ein Punkt muss in der Zukunft auch kein Punkt bleiben.

Er kann sich in der Breite und in der Länge verändern.

In der Fläche.

Vom Punkt zum Erdball.

Das Schicksal wird sich auf dem Erdball abspielen.

Wenn es die Gegenwart betritt.

Dann werden alle Menschen rufen.

Schreien.

Jubeln oder wehklagen?

Zum Abendessen saßen die Jünger beisammen.

An einem langen Tisch.

Eine große Tischplatte ruhte auf mehreren Füssen.

Unter einem Tischbein steckt ein Holzspan.

Damit der Tisch nicht wackelte.

Jesus murmelte, er werde nun zum Vater gehen.

Aber niemand hörte ihm zu.

Noch hörte ihm niemand zu.

Sie saßen zu Tisch, teilten das Brot.

Jesus ließ den Kelch mit dem Wein herumgehen.

Judas erklärte, dass alles teurer geworden sei.

Das lag am Krieg im Nachbarland.

Aber niemand hörte zu.

Sie aßen zunächst stillschweigend. Dann redeten sie.

Es begann mit einem Flüstern, das immer lauter wurde.

Worte, Halbsätze, Worte, Ausrufezeichen.

Wenn viele Menschen reden, kann man die Worte der Einzelnen nicht mehr unterscheiden.

Es entwickelt sich ein Singsang, ohne Höhen, ohne Tiefen.

Ein Pegel.

Dieser Singsang beruhigt.

Wirkt wie eine gewisse Art von Fröhlichkeit.

Dazwischen ein Lachen.

Aber auch ein Heulton.

Sie waren an der Tafel dreizehn Männer.

Einige Frauen im Hintergrund.

Diese servierten immer neuen Wein. Und legten Brote auf den Tisch.

Ziegenkäse gab es.

Kein Fleisch. Kein Fisch.

Sie wurden alle satt.

Die Frauen huschten hin und her.

Eine der Frauen

Küsste einen der Männer.

Oberflächlich. Spielerisch.

Es war ein lauer Abend.

Nach dem Abendessen bat Jesus um eine Schüssel und um Wasser.

Er stand auf.

Legte seine Kleider ab.

Nahm einen Schurz und umgürtete sich.

Warum nach dem Abendessen?

So steht es eben in der Bibel.

Er goss Wasser in die Schüssel.

Nun begann er, den Jüngern die Füße zu waschen.

Mit den Händen.

Sie dann abzutrocknen.

Sie waren überrascht.

Keine Gewohnheit.

Einer von ihnen wehrte ab.

„Ich bin es nicht wert.“

Aber Jesus ließ nicht locker.

„Du bist mir sehr wichtig.“

Es war Simon Petrus, der Fels.

Jesus sagte: „Was ich tue, das verstehst du jetzt nicht.

Du wirst es später erkennen.“

Petrus: „Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen!“

Jesus: „Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Anteil an mir.“

Petrus: „Wie soll ich Dich verstehen? Du bist mein Lehrer und Meister.“

Jesus: „Viel mehr. Du hast an mir Anteil.“

Was heißt das?

Petrus überlegte. Vielleicht verstand er nun.

Petrus: „Dann wasche nicht nur meine Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt!“

Jesus lächelte. „Es genügt, wenn Deine Füße gewaschen sind.“

Jesus fuhr fort: „Dann ist Dein Leben gereinigt.“

Fanfarenklänge.

Trommelwirbel.

Jesus hatte einen kleinen Schwindelanfall.

„Ihr seid rein, aber nicht alle.“ Sagte er, murmelte er.

Er wusste,

wer ihn

verraten wird.

Er wollte die Fußwaschung als Beispiel verstanden wissen.

So tue ein jeder dem anderen.

Jeder ist gleich.

Jeder ist dem andern untertan.

Der Knecht ist nicht größer als sein Herr.

Der Gesandte ist nicht größer als der, der ihn gesandt hat.

Ihr wisst dies nun.

Aber Ihr müsste auch danach handeln.

Jesus begab sich zur Ruhe.

Er lag auf dem Rücken.

Die Augen schlossen sich.

Der Atem, ging langsam, entspannt.

Über Jerusalem brach die Nacht herein.

Es war ruhig.

Nur Hunde bellten.

Warum können die Hunde nachts nicht Ruhe geben?

Niemand versteht das Anliegen der Hunde.

Sie wussten, was am nächsten Tag geschehen wird.

Sie bellten ihren Kummer in die Welt hinaus.

Doch die Menschen hörten nicht, weil sie schliefen.

Auch die Jünger.

Jesus hatte einen unruhigen Schlaf.

Karfreitag

Karfreitag

In einem Olivenhain kämpfte Jesus den Kampf seines Lebens.

„Warum hast Du mich verlassen?“

Er denkt, er ruft, er schreit.

Die Frage richtet er an Gott.

Wie viele Menschen nach Jesus haben diese Frage gestellt.

Und keine Antwort erhalten.

Wir Menschen erhalten keine Antwort.

Nur Jesus hätte eine Antwort erhalten können.

Von Gott zu Gott.

Aber auch er vernahm keine Antwort.

Der sündlose Sohn Gottes trägt die Sünden der Welt auf seinen Schultern.

Man sagt, die Sünde trennt den Menschen von Gott. Deshalb erhält der Mensch keine Antwort.

Deshalb versteht der Mensch die Antwort nicht.

Das ist ein Unterschied.

Erhalten wir nicht oder verstehen wir nicht?

Nur Jesus wäre der einzige Mensch gewesen, der einen Anspruch auf Gottes Antwort gehabt hätte.

Von Gott zu Gott.

Auch er bekam sie nicht.

Vielleicht hat er sie nicht verstanden.

Nein, er kannte die Antwort

Von Anfang an.

Gott hat sich vorgestellt als Jahwe: „Ich bin da“.

Das gilt für Jesus und für alle Menschen.

Von Anfang an.

Deshalb war eine weitere Antwort nicht notwendig.

Wenn es so war. Und so war es.

Warum erbat sich Jesus eine Antwort von Gott?

Weil auch ein Gott in Not sein kann, verlassen von allen.

Die Jünger schliefen.

Jesus hatte sie gebeten mit ihm zu wachen und zu beten.

Ihm Fürsorge zu geben.

Die Jünger wollten wachen, unterstützen,

versprachen ihm, schworen ihm.

Und schliefen erneut ein. Es war ein tiefer Schlaf. Kam der Schlaf von Gott?

Der Schlaf war tiefer als jeder Schlaf, den die Menschen sonst schlafen.

Sie erwachten erst als eine Gruppe von Soldaten

Bewaffnet und grimmig

In den Olivenhain kamen.

Schritt für Schritt.

Soldatenstiefel.

Das Gewehr in der Hand.

Ein Helm auf dem Kopf.

Mit einer Splitterweste geschützt.

Ein Mann namens Judas führte sie an.

Kundschafter.

Verräter.

Kassenwart.

Warum muss einer von den Jüngern ein Verräter sein?

Das macht keinen Sinn.

Jesus versteckte sich nicht. Die Soldaten hätten ihn gefunden, auch ohne Judas.

Warum benötigt Gott einen Verräter?

Weil es auf der Welt immer Verräter gibt.

Weil Verräter Verbrecher sind.

Manchmal auch nicht, wenn sie verraten, wie Menschen ausgebeutet werden.

Oder von anderen Untaten erzählen.

Verräter ist also nicht Verräter.

Auch Judas ist ein ganz besonderer Verräter.

Jedenfalls wird Jesus gefangen genommen und weggeführt.

Vorgeführt.

Petrus regt sich auf.

Schlägt zu.

Und verleugnet Jesus.

Bis der Hahn kräht. Drei Mal.

Eins

Zwei

Drei

Behörden sind in allen Ländern langsam.

Weil sie überarbeitet sind.

Weil sie behutsam agieren, vorsichtig.

Weil sie keinen Fehler begehen wollen.

Sie müssen viele Gesetze berücksichtigen. Noch mehr Vorschriften und Richtlinien.

Aber Jesus wurde schnell verurteilt.

Dabei gab es zwei Instanzen:

die Judeninstanz

und die Römerinstanz.

Die Römer interessierte der Fall nicht.

Die Juden wollten Jesus aus dem Weg räumen.

Ein Störenfried weniger.

Das Volk hatte die Seiten gewechselt.

Diejenigen, die „Hosianna“ gerufen hatten, forderten nun: „Kreuziget ihn.“

Oder war es anderer Teil des Volkes?

Die Putin-Freunde?

Jedenfalls die Anhänger der Priester und Popen.

Sie wollten Jesus eliminieren.

Denn er störte ihre Herrschaft, stellte sich gegen ihre Macht.

Die Mächtigen setzen sich immer durch.

Selbst ein Jesus kann wenig ausrichten.

Die Römer schoben Jesus den Juden zu.

Ein interner Konflikt.

Sollen ihn die Juden lösen.

Die Besatzungsmacht wäscht die Hände in Unschuld.

Bitte ein Handtuch.

Die Hände abtrocknen.

Die Römer machen sich nicht die Finger schmutzig.

Wer saß zu Gericht?

Die Hohepriester.

Gab es Vertreter des Volkes?

Geschworene?

Gab es einen Verteidiger?

Sie stimmten ab.

Tod.

Tod.

Tod.

Tod.

Sie verspottet ihn.

Zogen ihm den Mantel aus.

Auch die Kleider.

Drückten ihm das Kreuz auf die Schultern.

Schoben ihn auf die Gasse.

Sie fanden einen Mann mit Namen Simon. Er kam aus Kyrene.

War er zufällig zugegen?

Oder geschickt?

Die Soldaten zwangen ihn, das Kreuz zu tragen.

Jesus hätte die Strapaze nicht überlebt.

Wobei es wohl gleichgültig ist, vom Kreuz erdrückt zu werden oder am Kreuz hängend zu sterben.

Es geht um das Sterben.

Die Soldaten hatten den Auftrag, die Kreuzigung zügig durchzuziehen.

Es eilt.

Es standen noch mehr Kreuzigungen an. Man konnte nicht zu viel Zeit lassen.

Eine Kreuzigung nach der anderen.

Jedes Mal musste ein Kreuz aufgestellt werden.

Eine schweißtreibende Tätigkeit.

Das mussten die Pioniere umsetzen.

Sie waren kräftig. Wuchteten die Kreuze in die Halterungen.

Sie standen fest.

Sie mussten auch einem Sturm aushalten.

Aber die Wettervorhersage war sturmlos. Auch kein Regen. Das Land bräuchte Regen.

Damit das Getreide wachsen kann.

Die Soldaten trugen die Nägel, mit denen sie die Gliedmaßen an das Kreuz nageln konnten.

Warum müssen Menschen so grausam sein?

Es liegt im Gen.

Soldaten sind für die Grausamkeiten zuständig.

Sie werden dafür bezahlt.

Die Soldaten haben gelernt, grausam zu sein.

Sie vergewaltigen. Sie erschießen auch wehrlose Bürger.

Einfach die Figur vom Fahrrad herunterschießen, wie beim Zielschiessen.

Ein Schuss dauert nicht lange. Geht schnell.

Ein Mensch weniger. Jeder Mensch ein Feind.

Die Stätte hieß Golgatha.

Schädelstätte.

An das Kreuz genagelt.

Sie gaben ihm Wein zu trinken mit Galle vermischt.

Als er das schmeckte, wollte er nicht trinken.

Sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum.

Sie saßen da und bewachten ihn.

Über sein Haupt setzten sie eine Aufschrift mit der Ursache seines Todes:

„Dies ist Jesus, der Juden König.“

Ob sie überlegten?

Warum kreuzigten sie einen König?

Soldaten haben wenig zu tun. Meistens müssen sie warten.

Bis etwas passiert.

Erst dann können sie reagieren. Dann können sie Gewalt verbreiten.

Erstechen.

Erschießen.

Niederbomben.

Soldaten haben anscheinend kein Gewissen.

Das Gewehr in der Hand macht sie zu Mutigen.

Zu Gewalttätern.

Zwei Räuber wurden mit Jesus gekreuzigt.

Einer zur Rechten und einer zur Linken.

Viel Volk kam zu der Kreuzigung. Mit den Kindern. Ausflug.

Sie standen um die Kreuze herum.

Unterhielten sich, machten Witze, zeigten den Kindern die Kreuze.

Sie lästerten über Jesus.

Viel Hass.

Noch mehr Spott.

Einmal hat er gesagt, er will den Tempel abbrechen und in drei Tagen wiederaufbauen.

Er hat Kranke gesunden lassen.

Sogar Tode auferweckt.

Er hat Brot und Wein geschaffen aus dem Nichts. Und auch Fische.

Nicht zu glauben.

Wir haben es erlebt.

Wir erinnern uns daran.

Nun hängt er am Kreuz und kann sich nicht mehr rühren.

Fatal.

Hilf Dir doch selbst, Du Wundermann.

Erbärmlich…

Wenn sich ein erwachsener Mann nicht helfen kann.

Auch die Hohepriester mit den Schriftgelehrten und Ältesten spotteten.

Andern hat er geholfen und kann sich selber nicht helfen.

Er soll der König von Israel sein?

Wenn er vom Kreuz herabsteigt, wollen wir an ihn glauben.

Die Anstifter verspotten ihn.

Die wahren Schuldigen.

Er soll Gott sein. Ein Gott sollte Stärke zeigen.

Was hilft ein schwacher Gott?

Wie erkennt man die Stärke eines Gottes?

Die Menschen kennen Gottes Gedanken nicht.

Sie werden sie einst spüren.

Heftig.

Mit Schmerzen.

Desgleichen schmähten ihn auch die Räuber,

die mit ihm gekreuzigt waren.

Der auf der rechten Seite verspottete ihn.

Der auf der linken Seite bat um Mäßigung.

Oder war der auf der linken Seite, der von der rechten Seite?

Jesus entschied, dass einer mit ihm ins Reich Gottes eingehen könne.

Der andere gehe im Hades unter.

Gottes Herrlichkeit

Gegen

die Verdammnis in der Hölle.

Aber wen soll das gerade jetzt interessieren?

Niemand ist je aus dem Gottesreich zurückgekehrt, niemand hat den Hades überlebt.

So wissen die Menschen davon nichts. Die Erzählungen können nicht nachgeprüft werden.

Vertrauen.

Wir könnten den Schilderungen vertrauen.

Den Aussagen von Jesus.

Aber wie kann man einem machtlosen Gott vertrauen?

Von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.

Die Sonne verwindet.

Dunkle Wolken schieben sich ans Firmament.

Es könnte Regen geben.

Aber es regnet nicht.

Kein Tropfen.

Nur Dunkelheit legt sich über das Land.

Die Naturgewalten gebären sich wild.

Wind heult über den Kreuzigungsberg.

Gut, dass die Soldaten die Kreuze befestigt haben.

Um die neunte Stunde schrie Jesus laut:

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Einige dachten, er ruft nach Elia.

Einer lief, nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Essig.

Er steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken.

Jesus schrie abermals laut und verschied.

Vorbei.

Da zerriss der Vorhang im Tempel in zwei Stücke von oben bis unten.

Die Menschen fürchten sich.

Die Naturgewalten greifen nach ihnen.

Sie beruhigen sich nicht.

Die Erde erbebt, und die Felsen reißen auf.

Die Gräber öffnen sich.

Da war ein Hauptmann,

der mit seinen Soldaten

Jesus bewachte.

Er fiel auf die Knie als er das Erdbeben spürte.

Er erschrak sehr.

Sprach: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“

Eine späte Erkenntnis.

Zu spät.

Ob der Hauptmann nun an Gott glaubte, von nun an?

Seine Taten bereute, den Dienst quittierte?

Wir wissen es nicht.

Karsamstag

Karsamstag

Es kam ein reicher Mann aus Arimatäa.

Er hieß Josef und gehörte zu den Jüngern von Jesus.

Zu den Jüngern gehörten Arme und Reiche, Gebildete und Schwache, Starke und Einfältige.

Das soll betont werden.

Er ging zu Pilatus und bat ihn um den Leichnam von Jesus.

Was willst Du mit dem Leichnam?

Überraschung.

Jemand kümmert sich.

An der Leiche hat der Staat kein Interesse.

Pilatus befahl, ihm den Leichnam zu übergeben.

Erledigt.

Abgeschlossen.

Pilatus kann sich wieder seinen Regierungsgeschäften widmen.

Immer diese Vorkommnisse.

Josef nahm den Leichnam und wickelte ihn in ein frisches Leinentuch.

Dann legte er Jesus in seine eigene Grabkammer.

Da er noch lebte, war sie unbenutzt.

In einen Felsen gehauen.

Schließlich rollte er einen großen Stein vor den Eingang zur Grabkammer.

Dann ging er weg.

So war alles in Ordnung.

Abgeschlossen.

Maria aus Magdala und die andere Maria blieben dort.

Sie saßen auf einem Stein.

Starrten vor sich hin.

Sie hatten Jesus geliebt, verehrt, bewundert, geschätzt.

Man hatte sie geschändet. Ihnen das Liebste entrissen.

Sie wehklagten, konnten aber nicht weinen.

Blick in den Himmel.

Wolkenlos.

Warum scheint noch immer die Sonne?

Auch die Pharisäer schickten Wachen zu Grab.

Schließlich hatte Jesus gesagt, er werde nach drei Tagen auferstehen.

Zumindest drei Tage müssen die Wachen verharren.

Sie lehnen sich gegen den Stein.

Gelangweilt.

Soldaten müssen geübt sein im Warten.

Dann schalten sie ab.

Denken an etwas Schönes.

Vielleicht denken sie auch nicht. Nichts.

Dieser Samstag ist ein langweiliger Tag.

Daher beschließen auch die beiden Frauen, heim zu gehen.

Die Wachen bleiben.

Sie spielen mit dem Handy. Aber es gibt nicht viele neue Nachrichten.

„Wenn das vorbei ist, beantrage ich Urlaub.“ Sagt der eine.

„Wohin willst Du fahren?“ Fragt der andere.

„Nach Malle.“

Der andere gibt keine Antwort.

„Trinken, saufen, an der Bar sitzen, Mädchen anglotzen.“

„Schwachsinn.“ Sagt der andere.

Ostersonntag

Ostersonntag

Es ist noch finster.

Die Sonne ist nicht aufgegangen.

Maria Magdalena konnte in dieser Nacht nicht schlafen.

Herumwälzen.

Schweiß auf der Stirne.

Es ist selbst in der Nacht heiß.

So stand sie auf.

Zähneputzen.

Das Gesicht waschen.

In die Kleider schlüpfen.

Sie verlässt das Haus.

Niemand hört sie.

Ganz leise.

Auf Socken.

Leicht schimmert die aufgehende Sonne hervor.

Maria Magdalena steht vor dem Grab.

Erschrickt.

Einer der Wachen schläft.

Der andere ist weg.

Vielleicht in Malle.

Geflohen.

Sie steht vor dem Grab und erkennt, dass der Stein zur Seite geschoben wurde.

Der Stein ist schwer.

Ein Mann allein kann ihn nicht bewegen.

Wer hat sich am Grab vergriffen.

Dort leuchtet es.

Noch ist es dunkel.

Im Grab leuchtet es.

Maria Magdalena Maria blieb in aller Vorsicht

Draußen vor dem Grab.

Stehen.

Mit Herzklopfen.

Weinend.

Dann beugte sie sich doch nach vorne.

Sie erkennt etwas.

Zwei Gestalten in weißen Gewändern.

Sie sitzen, einer zu Häupten, einer zu den Füßen, wo der Leichnam Jesu gelegen hatte.

Maria erkennt, dass es Engel sein müssen.

Es sind die ersten Engel, denen sie begegnet ist.

Gibt es Engel?

Sie hatte sich darüber noch keine Gedanken gemacht.

Jetzt muss sie die Frage bejahen.

Es gibt Engel.

Sie sprechen sogar mit ihr.

„Frau, was weinst du?“

Das sollten Engel eigentlich wissen.

„Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.“

Der Engel gibt keine Antwort.

Maria bemerkt eine Bewegung hinter sich.

So dreht sie sich um.

Da steht noch ein Engel.

Er stellt die gleiche Frage.

„Frau, was weinst du? Wen suchst du?“

Nein, das ist kein Engel.

Nicht so leuchtend.

Eher normal.

Der Gärtner vielleicht.

Weiß er mehr?

„Herr, hast du ihn weggetragen?“

Ein Verdacht.

Er nickt.

„Sag mir bitte, wohin. Ich will ihn holen.“

Er spricht.

Nur ein Wort.

„Maria.“

Erschrecken.

Erkenntnis.

Wiedererkennen.

„Du bist es!“

Sie will auf ihn losstürzen.

Das ist verständlich.

Er hält sie zurück.

„Rühr mich nicht an.“

Sie ist enttäuscht.

Aber versteht.

Versteht nicht.

„Ich bin noch nicht auferstanden.“

Er sagt das ganz sachlich.

Wie: Ich habe noch nicht gefrühstückt.

Sie weiß nicht, was sie antworten soll.

Sie weiß nur, dass sie Größeres erlebt hat, als sie je verstehen kann.

Nicht fragen, wie alles geschehen ist.

Der Stein. Das Aufstehen, das Warten auf die Auferstehung.

Wunder.

Natürlich, wenn dies kein Wunder ist.

„Maria gehe zu den Brüdern und Schwestern. Erzähle, was Du erlebt hast.

Ich werde bald auferstehen, zu meinem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.“

Maria nickt und steht stumm da.

Es dauert bis sie die Worte versteht.

Sie klingen gut.

Sie kann sich die Auferstehung nicht vorstellen. Aber sie hat den ersten Satz verstanden.

Gehe.

Und schon läuft sie los. Den kleinen Weg entlang, der in die Stadt führt.

Durch die Gassen, in die jetzt schon Sonnenlicht fällt.

Sie läuft so schnell sie kann.

Die Beine bewegen sich rhythmisch.

Sie kommt außer Atem.

Sie muss kurz anhalten, um durchzuatmen.

Dann geht es weiter.

Er lebt.

Irgendwie.

Was soll sie sagen?

Sie trifft die Jünger im Gemeindehaus an.

Sie schreit.

„Ich habe den Herrn gesehen.“

Die Jünger wollen es nicht glauben.

Können es nicht glauben.

Fragen stürzen auf Maria ein.

Fragt, so viel ihr wollt.

Ich kann euch nichts antworten.

Aber ich habe ihn gesehen. Der Stein vor dem Grab liegt auf der Seite.

Starke Mächte haben ihn verrückt.

Und Engel habe ich gesehen.

Vor allen Dingen aber den Herrn.

Nun sputen sich auch Petrus und ein anderer Jünger.

Sie hetzen zum Grab.

Es laufen miteinander.

Der andere Jünger läuft voraus, schneller als Petrus.

Daher kommt er als Erster zum Grab,

schaut hinein,

sieht die Leinentücher liegen.

Er geht aber nicht hinein in das Grab.

Aber Simon Petrus.

Er betritt das Grab.

Er sieht die Leinentücher liegen und das Schweißtuch.

Das Schweißtuch bedeckte Jesu Haupt.

Es liegt nicht bei den Leinentüchern, sondern daneben, zusammengewickelt.

Sie verstehen die Zeichen nicht.

Sie wissen nur, der Leichnam ist weg.

Eine Tatsache.

Maria hat ihn gesehen.

Stimmt das?

Wo ist er jetzt?

Sehen sich an.

Fragen sich.

Haben keine Antworten.

So gehen sie zurück, zu den anderen.

Berichten.

Hoffnung.

Hoffnung ist Warten.

Ostermontag

Ostermontag


An diesem Tag marschieren zwei Jünger auf der Straße

Unterwegs zu dem Dorf Emmaus.

Zehn Kilometer von Jerusalem entfernt.

Sie tragen bequeme Wanderschuhe.

Jung, stark und traurig.

Sie unterhalten sich.

Über alles, was sie in den letzten Tagen erlebten.

Was sie nicht verstehen.

Sie diskutieren über das Ende.

Die Kreuzigung ist das Ende ihrer Gemeinschaft.

Ohne die Kraft und Zuversicht des Meisters sind sie verloren.

Nur er hatte diese Spiritualität.

Nur er konnte die Welt erklären.

Es wäre so schön gewesen.

Warum?

Sie stellten sich die Frage, die sich die Menschen nicht beantworten können.

So wird es immer sein.

Die Menschen werden keine Antwort finden.

Während sie über das Warum reden

Gesellt sich ein Mann hinzu.

Leichten Schrittes.

„Darf ich mit Euch gehen?“

Natürlich.

Sie schreiten kräftig aus.

Der Mann ist barfuß. Trotzdem kräftige Schritte.

„Über was unterhaltet Ihr Euch?“

Die Frage ist ein Dammbruch.

Sie schütten die Worte und Sätze heraus.

Was sie bewegt.

Was sie erlebten.

Wie das Schicksal zuschlug.

Ihr Begleiter hört sie an. Ruhig.

Sie wundern sich: „Kommst Du aus der Ferne?

Weil Du nicht weißt, was sich in Jerusalem ereignet hat.“

„War es wichtig?“

Lebenswichtig.

Jesus aus Nazareth wurde gekreuzigt.

Er war ein großer Prophet.

Er offenbarte dem Volk die Wunder.

Er lehrte ihm Gottes Worte.

Aber die Mächtigen unseres Landes verärgerte er.

Der jüdische Rat verurteilte ihn zum Tode.

Daher wurde er gekreuzigt.

Wie ein Weltuntergang.

Wir dachten, er sei unser Retter.

Und einige Frauen haben uns in Aufregung versetzt.

Sie behaupteten, dass sie Jesus gesehen haben.

Nach der Kreujzigung.

Unmöglich.

Gekreuzigt, begraben. Aus.

Das Grab war zwar leer.

Aber kein Mensch kann eine Kreuzigung überleben.

So reden sie.

Ereifern sich.

Schreiten kräftig aus.

Werden immer schneller.

Vor Erregung. Schweiß steht auf ihrer Stimme.

Da sagt er,

Jesus,

„Ihr seid begriffsstutzig.

Habt Ihr die Propheten nicht gelesen?

Musste das nicht so geschehen?

Erst dann kann die Herrlichkeit anbrechen.“

Die beiden Männer bleiben abrupt stehen.

Sehen ihren Begleiter an.

Denken nach.

Er hat recht.

Die Schriften vergessen.

Nicht gekümmert.

„Du kennst Dich gut aus. Kannst Du uns mehr erklären?“

Ihr Begleiter,

Jesus,

erklärt ihnen, was in der Heiligen Schrift über ihn geschrieben war.

Es wird eine Bibelstunde.

Eine biblische Stunde.

Angefangen bei Mose bis hin zu allen Propheten.

Die beiden Männer lassen ihren Begleiter reden.

Keine Unterbrechung.

Blick nach vorne auf den Weg.

Plötzlich verstehen sie.

Was sie noch nie verinnerlicht hatten.

Klarheit.

Wie eine Gleichung

Und ihre Lösung.

So erreichen sie das Dorf, zu dem sie unterwegs sind.

Ihr Begleiter,

Jesus,

tat so, als wolle er weiterziehen.

Sie aber bedrängen ihn.

„Bleib doch bei uns! Es ist fast Abend, und der Tag geht zu Ende!“

Ein guter Grund.

So überreden sie ihn.

Sie gehen alle zusammen ins Haus und bleiben dort.

Später lassen sie sich zum Essen nieder.

Ihr Begleiter,

Jesus,

nimmt das Brot,

dankt Gott,

bricht das Brot in Stücke

und gibt es ihnen.

Da fällt es ihnen wie Schuppen von den Augen,

sie erkennen ihn.

Er ist es.

Wirklich.

Im selben Augenblick verschwindet er vor ihnen.

Wo ist der Meister?

Hast Du ihn gesehen?

Nein, ich auch nicht.

Sie verstehen und sie verstehen nicht.

Sie können keinen klaren Gedanken fassen.

Hätten sie ihn nicht schon auf der Wanderung erkennen müssen?

Er konnte ihnen so viel erklären.

Er füllte sie mit Erkenntnis.

Aber zumindest jetzt.

Bei diesem Abendmahl.

Beim Brotbrechen.

Erkannten sie ihn.

Nun fahren sie hoch.

Lassen alles liegen und stehen.

Und brechen auf.

Wandern zurück nach Jerusalem.

Sie laufen noch schneller.

Sie hätten sich ein Auto gewünscht, damit sie schnell vorwärtskommen.

Aber nun hasten sie.

Schweißgebadet.

Sie kommen im Gemeindehaus an.

Klopfen.

Warum öffnen sie nicht.

Es dauert endlos.

Klopfen.

Vorsichtig wird die Tür geöffnert.

Die Jünger werden erkannt.

Angst vor der Polizei.

Kommt herein.

Die elf Jünger sind beieinander,

zusammen mit allen anderen, die zu ihnen gehörten.

Alle schrecken zusammen, als sie in den Raum poldern.

Die beiden schreien:

„Der Herr ist wirklich auferstanden!“

Die anderen erheben sich voller Freude.

„Er ist auch Simon erschienen.“

Die beiden erzählen,

was sie unterwegs erlebt haben,

wie sie den Herrn erkannt haben:

Als er das Brot in Stücke brach.

„Der Herr ist wirklich auferstanden!“

Ein Freudenchor.

Von der Dummheit zur Weisheit

Das Loch im Gehsteig


 

Es ist eine Geschichte zwischen Dummheit und Weisheit. Man wird unweigerlich gezwungen, darüber nachzudenken, was Weisheit und was Dummheit ist. Die Geschichte beginnt mit einer Dummheit. So allmählich übernimmt die Weisheit. Die Sachlage ist einfach: Man bemerkt auf einem Weg ein Loch. Wie reagiert man? Diese Geschichte gibt die Antwort. Faszinierend wie viele verschiedene Varianten es von dieser Geschichte gibt.

 

 

Ich gehe die Straße entlang.

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.

Ich falle hinein.

Ich bin verloren, ich bin ohne alle Hoffnung.

Es ist nicht meine Schuld.
Aber es dauert endlos, wieder herauszukommen.

 

Ich gehe dieselbe Straße entlang.

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.

Ich tue so, als sehe ich es nicht.

Ich falle wieder hinein.

Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.

Aber es ist nicht meine Schuld.

Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen.

 

Ich gehe dieselbe Straße entlang.

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.

Ich sehe es.

Ich falle wieder hinein, aus Gewohnheit.

Meine Augen sind offen. Ich weiß, wo ich bin.

Es ist meine eigene Schuld.

Ich komme sofort heraus.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.

Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.

Ich sehe es. Ich bin darauf vorbereitet.

Ich beschließe die Straßenseite zu wechseln.

Auf dieser Seite gibt es kein Loch.