Städte-Bilder

Städte-Bilder

Obwohl ich selbst auf dem Land lebe, liebe ich Städte – große und kleine, hohe und weite, nahe und ferne. Jede Stadt hat einen Charakter, einen eigenen Charakter, wie die Menschen. Natürlich haben einzelne Straßenzüge, einzelne Plätze, einzelne Stadtteile ihren jeweiligen Charakter. Aber alles zusammengeworfen erwächst daraus auch die Herrlichkeit der Großstadt.

Die Stadt wird ebenso markierte durch ihre Geräusche, Gerüche, Reden und Gesänge, durch ihre Farben und Formen. Die Farben und Formen kann man auf Bildern bannen. Das habe ich mir vorgenommen.

Ich bilde die Stadt ab in der Gesamtansicht, im Panoramabild, in der Detailaufnahme, im Pflasterabdruck, in Werbeplakaten, in Graffiti-Schmierereien, aber auch in Personenbildern, Blumenbildern, Hundebildern. Diese Bilder verfremde ich, verstärke sie, übertünche sie, zerknülle sie, verwische sie, verwackle sie. Die Summe der Bilder ist die Stadt. Die Summer der Verfremdungen ist mein Eindruck der Stadt.

Dann kommt noch die Reihenfolge dazu. Nicht jedes Bild passt in die gewünschte Reihenfolge. Manches Bild muss den Anfang oder das Ende bilden. Andere Bilder spielen sich als Höhepunkt in der Mitte auf. Und sie müssen genau dort ihren Platz finden, Position zeigen. Schließlich werden die Bilder noch durch Übergänge in einen Film verändert. In welcher Art und Weise folgen Bild auf Bild? Mit einem harten Schnitt, einem weichen Übergang, einen brutalen Sprung auf das alte Bild, in einem akrobatischen Überzieher, in einem optischen Knall? Jeder einzelne Übergang kann eine Bedeutung haben, wenn man ihn ernst nimmt. Und ich nehme ihn ernst, überprüfe viele Übergänge, lege viel Zoomspuren an. Ich verwische und dehne aus. Manches Bild verweilt länger als das andere.

Ich versuche darzustellen, wie meine Seele die Stadt erlebt hat, wie sie mich fasziniert, erfreut, enttäuscht oder begeistert hat. Natürlich ist der Erlebniseindruck subjektiv, die Darstellung ist eine Ausdehnung des individuellen Empfindens.

Die Betrachter, Forscher, Zuschauer, Wanderer, also die Menschen, die meinen Städtebildern folgen haben ihre eigenen Erlebnisse, eigenen Empfindungen. Sie können sich mit den meinigen vergleichen, messen. Sie können mir recht geben oder sie können ganz andere Erfahrungen mit einer Stadt gemacht haben. Auf jeden Fall werden sie die Stadt ein bisschen neu erleben. Jetzt, gerade jetzt, wenn sie auf dieser WEB-Seite in meiner Städte-Seele blättern. Auf alle Fälle wünsche ich viel Genuss.

Nürnberg im Corona Sommer

Nürnberg – im Corona-Sommer

Eigentlich müssten diese Nürnberg-Bilder trist aussehen. Aber man hat das bunte Treiben, die Fahrgestelle und die Fressbuden in die Innenstadt gebracht, ins Zentrum. Ob dies Corona-förderlich oder Corona-hemmend war, ist schwer zu sagen. Fotografisch gab es jedenfalls ganz neue Eindrücke. Nürnberg, die Vergnügungsstadt.

Tschernobyl und Prypiat

Tschernobyl und Prypiat

Tschernobyl – Katastrophentourismus? Ein bisschen, aber auch das Verlangen zu sehen, was geschehen ist, Zeuge zu sein. Einen Geigerzähler nimmt man mit, aber es sei ungefährlich, solange man sich an ein paar Regeln hält: Auf den vorgeschriebenen Wegen bleiben, nicht ins Innere von Häusern gehen, nichts anfassen, nichts ablecken. Über Trampelpfade kommt man in ein Dorf – oder besser gesagt in das, was davon übrig ist. Die Natur hat sich ihren Platz zurückgeholt. 33 Jahre sind seit dem atomaren Super Gau vergangen. Dort, wo früher Wege waren, ist heute Wald. Die meisten Häuser sind eingestürzt. Ein paar solider gebaute, wie das große Gemeindehaus, haben Wind und Wetter getrotzt. Die Räume sind weitgehend leer, Plünderer haben auf der Suche nach Wertsachen sogar die Dielen. Verlassene Wohnungen sind natürlich Bildobjekte, aber bedrücken auch die Seele. Ein Schlafzimmer oder ein Kinderheim, so klar wird das nicht. Einfache Betten stehen dicht nebeneinander. Die Matratzen sind durchgelegen, eine Kuhle ist dort, wo früher mal Menschen gelegen haben. Eine Puppe sitzt noch im Bett. In der Mitte steht ein kleiner Holzofen, darauf ein altes Bügeleisen. Man kann davon ausgehen, dass das inszeniert ist, aber es könnte auch echt sein. Mit dem Bus geht es von einem verfallenen Ort zum nächsten. Ein. Autowrack am Wegesrand, eine verfallene Sporthalle, in der noch Turngeräte stehen.

Besonders beeindruckend ist Prypjat. Die Stadt liegt keine zwei Kilometer vom Unglücksreaktor entfernt. 50.000 Menschen haben hier gelebt, davon über 15.000 Kinder. Zu Sowjetzeiten war Prypjat eine Vorzeigestadt. Viele junge Familien hat es wegen der Arbeit hierhergezogen. Größter Arbeitgeber: Das Kernkraftwerk. 4.000 Menschen starben direkt durch die Strahlung, noch weit mehr an den Spätschäden. Wo früher die Menschen über den Marktplatz schlenderten, stehen heute Bäume. Man kann durch die Häuser gehen. Natürlich Plattenbauten. Von oben sieht man, wie die Natur die Stadt erobert hat. Es war am 26. April 1986, 1:23 Uhr Ortszeit als im sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl ein Reaktor explodierte. Der größte anzunehmende, unkontrollierbare Unfall ereignet sich – der GAU. Radioaktive Wolken ziehen über Europa hinweg. Bis heute wirkt die Katastrophe nach. Ein „beliebtes“ Motiv: Ein Riesenrad, das für die 1. Mai-Feierlichkeiten aufgebaut wurde. Fünf Tage vor dem Fest explodierte der Reaktor. Man verspürt Trauer, denn die Menschen hier hätten sich sicherlich gefreut.

Wenn man in dem Gebiet unterwegs ist, ist man immer noch der Strahlung ausgesetzt. Die Geigerzähler fangen an einzelnen Stellen der Stadt heftig an zu piepen. Teilweise zeigt die Skala das Hundertfache der normalen Strahlung. Ein Tag in Tschernobyl ist angeblich so belastend wie einmal Röntgen beim Zahnarzt. Aber beurteilen kann das niemand. Manchmal hat man ein mulmiges Gefühl.

Dann kommt man noch zur Radaranlage. Sie sollte vor Raketen warnen. Aber sie verbrauchte so viel Strom, dass das Kraftwerk in Tschernobyl gebaut werden musste. Sie war der eigentliche Grund. Dabei war sie nicht richtig einsatzfähig. Sie hat nie funktioniert. Das hat man den Feinden im Westen aber nie erzählt.

Der Besuch ist durchaus ergreifend. Man erinnert sich der Menschen, die hier lebten und arbeiteten. Nicht die Gebäude beeindrucken, sondern das Schicksal der Menschen. Alles war unnötig. Anmaßung, Dilettantismus, Unfähigkeit, Sorglosigkeit. Hier kamen alle menschlichen Fehler zusammen. Es war ein menschlicher Gau.

Kiva, Oase an der Seidenstraße

Kiva, Oase an der Seidenstraße

Usbekistan ist Wüste und verfügt über einige Oasenstädte. Chiva oder Xiva ist sicherlich die faszinierendste Oasenstadt. Sie ist seit alters her ein wichtiger Ort an der alten Seidenstraße. Im 6. Jahrhundert n. Chr. wurde sie gegründet und profitierte von der strategisch günstigen Lage zwischen China und Europa. Sie war wichtige Handelsstadt, wurde aber auch immer wieder angegriffen und erobert. Zwangsweise wurde dabei viel zerstört. Zuletzt im Jahre 1740, als die Stadt von persischen Heeren erobert und Bestandteil des Perserreiches wurde. Im Jahre 1873 bemächtigten sich russische Truppen der Stadt. Somit wurde die Stadt und das Land Teile der Sowjetunion. Seit 1991 gehört sie zum souveränen Staat Usbekistan. 1997 feierte Usbekistan das 2500-jährige Bestehen der Stadt Chiva.

Eine fast märchenhafte Atmosphäre umgibt Chiva, zumindest der Touristenteil der Altstadt. Die Stadt wirkt fast wie ein Freilichtmuseum. Aber sie hat noch mehr Ruhm aufzuweisen. Sie ist UNESCO-Weltkulturerbe. Sehenswert sind die zahlreichen Baudenkmäler aus der glanzvollen Vergangenheit der Stadt, besonders der Palast Tasch Hauli, die Festung Konya Ark und die Gedenkstätte Pahlawan Mahmud. Das Minarett Kalta Minor aus dem Jahr 1852 ist mit 70 Meter das höchste Minarett in der islamischen Welt.

Chiva ist ein authentisch wirkender, fast märchenhafter Ort. Die Monumente in Buchara und Samarkand sind älter und vielleicht auch als Einzelobjekt beeindruckender, aber Chiva erfreut mit seinem Charme, der aus der Gesamtheit, der Geschlossenheit resultiert. Chivas Altstadt ist Atmosphäre pur. Nur die Touristen stören. Hinter der Touristenaltstadt gibt es auch noch die Wohnviertel der Einheimischen. Das sind einfache Lehmhäuser, aber sauber und durchaus adrett anzusehen. Chiva ist ein großes Erlebnis, wann immer man diese Stadt besucht.

Kiew – Eindrücke

Kiew – Eindrücke

Kiew, Hauptstadt der Ukraine, eine offene Stadt und eine ruhige Stadt. Sie wird oder wurde auch bezeichnet als „Mutter aller russischen Städte“. Das will die Stadt heute nicht mehr sein. Außerdem ist sie Zentrum der orthodoxen Christenheit und trägt daher einen weiteren Beinamen: „Jerusalem des Ostens“.

Sie liegt zu beiden Seiten des breiten Dnepr, der zum Schwarzen Meer fließt.

Blütezeit war das 9. bis 11. Jahrhundert. Da wurden die Heiden orthodox. Ein Jaroslaw der Weise ließ Kirchen und Klöster bauen und förderte die Kultur.

Im 12. Jahrhundert lebten etwa 50.000 Einwohner in Kiew und die Stadt war eine der größten in Europa.

Dann ging es abwärts. Eine mongolische Invasion 1240 zerstörte jegliche Entwicklung. Erst als die Stadt 1654 russisch wurde gab es neue, orthodoxe Impulse. Die Stadt erhielt damals ihr heutiges Aussehen. Die Sophienkathedrale, die Andreaskirche und das St. Michaelskloster und viele andere Gebäude wurden im ukrainischen Barock gestaltet. Als erste Stadt des Russischen Reiches erhielt Kiew 1892 eine elektrische Straßenbahn. Nach dem Moskauer Vorbild entstand später die Kiewer Metro.

Seit 1991 ist Kiew Hauptstadt der unabhängigen Ukraine und öffnet sich dem Westen. Mit Russland möchte man nichts zu tun haben.

In der Altstadt wirkt sie feudal. Prächtige Bauten aus dem 19. Jahrhundert prägen sie. Großbürgertum, könnte man vermuten. Man kann sich ergötzen an den breiten Boulevards. Am Sonntagabend wird tatsächlich die Hauptstraße gesperrt, damit die Menschen spazieren gehen können. Aber mehr passiert auch nicht. Die Bürger leben in den Vorstädten. Die sind geprägt vom sowjetischen Ideal, von Plattenbauten. Teilweise ziemlich heruntergekommen. Die Metro verbindet beide Welten und viele Menschen fahren hin und her.

Kiew ist eine Stadt mit viel Hoffnung. Die Vergangenheit bewahren, alles Sowjetische vergessen und in die Zukunft blicken.

Ummerstadt, die kleinste Stadt Thüringens – Entlang der innerdeutschen Grenze

Ummerstadt, die kleinste Stadt Thüringens – Entlang der innerdeutschen Grenze

837 aktenkundig geworden, damals unter dem Namen “Underangewe”. Stadt seit 1394. Klein: angeblich Thüringens kleinste Stadt, und die zweitkleinste in Deutschland. Schön: Thüringens Rothenburg genannt.
Vergleiche hinkte, Ummerstadt hat eine eigene Stadtpersönlichkeit. Fachwerk-Fassaden machen seinen Reiz aus, der ganze Ort besteht aus Fachwerkbauten. “Töpferstadt” nennt man sich selbst. Dieses Handwerk war hier einst sehr verbreitet. Heute gibt es keine mehr.
Wahrzeichen ist die Stadtkirche, die Bartholomäuskirche. Sie wirkt irgendwie disproportioniert. Sie soll im gotischen Spitzbogenstil erbaut worden sein. Doch davon ist nichts mehr zu erkennen. Das Langhaus hat man jedenfalls aufs gründlichste barockisiert. Die Kirche ist verschlossen.
Ansonsten ist die Stadt einzigartig, ein Fachwerkhaus neben dem anderen. Mit großen Hofeinfahrten – alle sorgfältig geschlossen. Dahinter vermutlich Lagerräume. Das Rathaus ist das größte und repräsentativste Fachwerkgebäude in Ummerstadt. Das 450 Jahre alte Gebäude hat eine wunderbare Fachwerk-Fassade – und dominiert den Marktplatz. Anscheinend braucht die Stadtverwaltung nicht so viel Raum, denn man hat noch ausreichend Platz für eine Gaststätte.
Ummerstadt wirkt wie ein Frei-Stadt-Museum. Es gibt kaum Läden. Keinen Metzger, keinen Bäcker. Und man sieht auch fast keine Menschen. Das gelbe Post-Auto.
Nachkriegsgeschichte. Noch 1945 fliegen die Amerikaner einen Angriff auf den Ort. Sie besetzen ihn und räumen ihn für die Russen. Ummerstadt liegt in Grenznähe. Daraus hat der Staat die Verpflichtung abgeleitet, dass hier nur zuverlässige Bürger leben dürfen. Die Unzuverlässigen werden als „politisch unzuverlässige Bürger“ ausgesiedelt. Andere sind in den Westen geflohen. Diese errichten 1963 am Eichenbühl das „Ummerstädter Kreuz“ zum ewigen Gedenken. Es ist den Ummerstädtern sehr wichtig.

Dieser Beitrag ist die Verbindung zwischen Stadt und Grenze. Ich möchte Sie einladen, meine neue WEB-Seite http://grenze.schwanfelder.info zu abonnieren.
Und ich empfehle natürlich mein Buch: Grenzgänge – 89 Erinnerungsorte an der ehemaligen innerdeutschen Grenze“.

Istanbul

Istanbul

Ich war in Istanbul. Habe mir die gesamte Stadt angesehen. Fast jedenfalls. Sie ist faszinierend. Ich fand, sie ist konservativer geworden. Schwärzer. Jedenfalls in der Kleidung. Aber die Stadt hat immer noch viel Lebensenergie. In dem ersten Bilder-Film zeige ich den Stadtteil Karaköy. Er hat mir am besten gefallen. Hier habe ich auch gewohnt. Ein kleines Hotel mit schönem Ausblick. So kann man einen guten Eindruck von der Stadt bekommen.

Auf der anderen Seite interessiert mich auch mein Gefühl. Wie fühle ich die Stadt? Das ist nicht so einfach zu beschreiben. Ich versuche es mit meinen Bildern: Ich wähle aus und verwerfe wieder. Ich beschädige die Bilder. Schneide heraus, überklebe, korrigiere, verwerfe, schöpfe neu. Erzeuge eine Stimmung. Nach einiger Zeit kann ich mich damit identifizieren. Dann vermische ich neu, gebe Farbe hinzu, nehme Farbe weg.
Manches entstand zufällig, manches bewußt. Fehler wurden bewußt aufgenommen, korre4kte Bilder bewußt gestrichen.
So ergab sich nun mein gefühlter Bild-Film von Istanbul und das Meer.

Fürth „gespiegelt“

Fürth „gespiegelt“

Fürth feiert die Ernennung zur Stadt „erster Klasse“.

Die Fürther meinen, dass sie 1818 in die Moderne eingetreten sind. Das Königreich Bayern erhob damals Fürth zur Stadt „erster Klasse“. Schön, dass sich ab und zu die Bayern auch um die Franken kümmern.
Aber es ist sicherlich richtig, dass sich in diesem Jahr für die Stadt und ihre Bürger viel veränderte. Sie konnten nun ihre Geschicke in die eigenen Hände nehmen. Sie konnten Vollmacht anwenden, um sich zu entwickeln. So wandelte sich der Marktflecken zur Stadt mit durchaus tiefgreifenden Veränderungen – gesellschaftlich und wirtschaftlich.
Fürth selbst ist zwar über 1000 Jahre alt, aber die letzten 200 Jahre bestimmten und entwickelten die Stadt zu der Metropole, wie wir sie heute kennen. Wenn ich Fürth aus meiner Warte betrachte, so nehme ich wahr, dass sich besonders in den letzten 20 Jahren viel verändert hat. Fürth ist attraktiv geworden. Früher eher ein karges Pflänzchen im Schatten von Nürnberg, hat die Stadt Selbstbewusstsein erhalten. Ein Spaziergang durch die Stadt ist heute ein Vergnügen.
Einen Spaziergang kann man sehr unterschiedlich gestalten. Man kann die Menschen begutachten. Man kann Gebäude bewundern. Man kann aber auch in die Schaufenster sehen. Das machen viele. Aber was sieht man in den Schaufenstern? Schuhe, Anzüge, Werkzeug, Möbel, was eben ausgestellt ist. Manchmal sieht man in den Schaufenstern auch die Stadt. Ich habe den Versuch gemacht und so ein „Spiegelbild“ von Fürth geschaffen.
Genießen Sie den kleinen Film, bestehend aus Schaufester-Spiegel-Bildern. So ist Fürth.

Nürnberg (fast) zufällig

Nürnberg (fast) zufällig

Nürnberg bewirbt sich als Kulturhauptstadt – bis 2025. Das klappt sicherlich.
In der Zwischenzeit kann man sich in aller Neugierde mit der Stadt befassen, intensiver als sonst, auf jeden Fall anders als sonst.
Ich habe mir mehrere Aufgaben gestellt. Ich fahre an einem (fast) zufällig ausgewählten Tag nach Nürnberg. Ich mache zwei Stunden lang Bilder von Nürnberg, aus dem Auto heraus. Nicht aussteigen, kein Motiv suchen. Das Motiv soll (fast) zufällig sein. Zuhause bearbeite ich die Bilder (fast) zufällig. Sie verändern sich damit, geben dem Stadtbild eine ganz andere Prägung. Anschließend mische ich Originale und Bearbeitungen (fast) zufällig. Ich packe sie zusammen in eine Bildershow, die Effekte und Übergänge sind (fast) zufällig. Heraus kommt nunmehr ein (fast) zufälliges Bild der Stadt: Das ist Nürnberg.
(Fast) zufällig verwendete ich ein Musikstück, gespielt von meinem Cousin Chris Wuehrmann.

Kaohsiung, Stadt am Ende der Welt

Kaohsiung, Stadt am Ende der Welt

Von uns aus gesehen liegt Kaohsiung am Ende der Welt, auf einer kleinen Insel, keine Hauptstadt, aber immerhin eine Großstadt mit 1,5 Millionen Einwohnern, größer als so manche deutsche Stadt. Und doch wirkt sie irgendwie verschlafen. Kommt hinzu, dass es geregnet hat als wir uns in Kaoshiung aufgehalten haben – die ganze Zeit, ohne Unterlass. So waren nicht viele Menschen unterwegs. Auch nicht am Lotussee, etwas außerhalb der Stadt gelegen. Er ist das wichtigste Ausflugsziel für die Städter und wirkt für uns ein bisschen wie Disneypark. Pagoden und Drachen und Heilige, überlebensgroß und bunt. Bunt ist schön und faszinierend anzusehen. Die Chinesen lieben das Spielerische, das Phantastische, das Wundersame. Da ähneln sich die Mainland- und die Insel-Chinesen ausgesprochen. Sonst drängeln sich hier die Menschen. Wir sind fast allein mit dem Regen und begutachten die Fabelgestalten.
Die Stadt selbst ist gesichtslos. So richtig finden wir kein Zentrum, nicht einmal auf dem Stadtplan. Es gibt einen Liebes-Fluss, der sich durch die Stadt zieht. Eigentlich hieß er Takao Fluss, wie man Kaohsiung früher nannte. Dann wurde er zum Liebes-Fluss., ein wohl eher touristischer Gag. An seinen Ufern sollen die Bürger lustwandeln. Bei Regen ist dem natürlich nicht so.
Ansonsten ist die Stadt richtig busy. Der wichtigste Hafen, viel Industrie, und der größte Anteil am Bruttosozialprodukt. Eine top-moderne U-Bahn erschließt die Stadt. Der Obolus gering, die Bedienung einfach und die Fahrkartenautomaten sprechen sogar deutsch, und französisch und japanisch, so an die zehn Sprachen können sie. Also easy. Die U-Bahn schafft dann doch ein Zentrum, bei der Formosa Boulevard Station. Ein großer Platz mit futuristischen Glasdreiecken, die gleichzeitig die Einstiege in die U-Bahn sind. Nachts farbenprächtig beleuchtet, im Untergrund ebenfalls futuristisch bemalt, wiederum bunt, bunter, jetzt wirklich richtig bunt. Hier kreuzen sich zwei U-Bahn-Linien. Das gilt es anscheinend zu feiern. Dort befinden sich auch die besten Restaurants. Ein Hot Pot muss sein, auch im Sommer. Auch bei Regen. Gleich daneben befindet sich der Liuhe Nightmarket. Hier kann man sich vergessen, unabhängig wie das Wetter ist. Es wird alles angeboten, was essbar ist. Obst, Brot, Küchen, Fleisch, Schlange, Fisch, Hummer in rauen Mengen. Hinter den Buden und Ständen kann man sich dann gleich zum Schmaus niederlassen. Nein, es ist da nicht unbedingt gemütlich, aber urig auf jeden Fall.
Man sollte die Stadt nicht verlassen, ehe man die alten Quay-Anlagen besucht hat. Hier herrscht nun der Zeitvertreib vor. Auf dem alten Schienengelände stehen jede Menge Kunstwerke, in den Hallen sind Künstler und Gastronomen eingezogen. Musikgruppen spielen, auch bei Nieselregen. Und selbst die Einheimischen freuen sich an der Unbekümmertheit. Hier lebt es sich gut.
Die vergessene Stadt. Für die Bewohner nicht unbedingt und die Touristen, die müssten die Stadt eben erst noch entdecken.