101 Bücher und noch kein Ende

101 Bücher und noch kein Ende

Ich glaube, ich habe meine Buchveröffentlichungen noch nie gezählt. Aber eines Tages zum Ende des Jahres 2022 hin überkam es mich, und ich zählte meine Bücher: Bücher, die ich bei Verlagen herausgebracht habe, Übersetzungen und Lizenzausgaben, Bücher, die ich im Eigenverlag publiziert habe. Da war ich doch sehr überrascht. Ich zählte 101 Bücher.

Eigentlich wollte ich das 100. Buch feiern. Aber das geht nun nicht mehr. Ich bin zu spät dran.

Ich schreibe schon mein Leben lang. Die Frage, warum ich schreibe, habe ich mir eigentlich nie gestellt. Es verspürte einfach einen Antrieb, zu schreiben. Es ging nicht ohne. Schreiben kann auch zur Sucht werden. Aber sie ist jedenfalls ungefährlich. Ich bin glücklich, wenn ich schreiben kann.

Wenn ich nun über die 101 Bücher nachdenke, dann schmuggelt sich die Frage nach dem Warum in dem Vordergrund. Warum schreibe ich? Nun gut, die eine Antwort ist, ich schreibe, weil ich schreiben muss. Aber als zweite Antwort möchte ich betonen, dass ich schreibe, um anderen Menschen zu helfen. Um ihnen ein Mehrwissen meinerseits, das ich mir erarbeitet habe, weiterzugeben.

Mein erstes Buch war ein Lehrbuch über Exportfinanzierung. Es entstand aus meinem aktuellen Brotberuf heraus, in dem ich mich intensiv mit der Lehrlingsausbildung beschäftigte. Für diese Ausbildung sammelte ich Material, Fallbeispiele und viele Unterlagen. Irgendwann war ich der Meinung, dass es sei einfacher sei, ein Buch zu machen, als viele Einzelpapiere an die Schüler zu verteilen. Ein Buch kann auch anderen Lehrlingen, Auszubildenden helfen, denen ich keinen Direktunterricht gebe. So wurde das erste Buch geboren.

Kurz darauf ereilte mich eine Aufgabe für mein Unternehmen in Brasilien. Ich war im Vertrieb tätig und unternahm im Land sehr viele Reisen. Damals gab es erst wenige Reiseführer. Über Brasilien gab es schon gar nichts Vernünftiges. Nun sammelte ich wieder Material, machte mir unterwegs sehr viele Notizen. Dabei kam letztendlich mein erster Reiseführer heraus: Brasilien. Für dieses Buch gibt es zwei Motivationsstränge. Der eine ist, dass ich selbst eine große Neugierde auf das Land hatte, es kennenlernen und entdecken wollte. Nachdem ich einfach gerne schreibe, notierte ich meine Eindrücke. Und die zweite Art der Motivation war, mein Wissen über das Land weiterzugeben. Was liegt näher, als einen Reiseführer zu schreiben. In dieser ersten Phase meines Schaffens schrieb ich über so manche Länder einen Reiseführer.

Ich stelle fest, dass ich immer in gewissen Themenperioden gearbeitet habe. Die erste Phase belegten die Reiseführer. Die zweite Phase beschäftigte mich mit dem Thema Management. Es war für mich eine der wichtigsten Fragenstellungen, mit der ich mich in meinem Beruf auseinanderzusetzen hatte. Ich machte in meinem Unternehmen Karriere bis kurz unter die Vorstandsebene. Dabei war es wichtig, sich selbst immer wieder in gutem Management zu trainieren. Ich hatte in dieser Zeit sehr viel in China zu tun, studierte daher auch die chinesischen Weisen wie Sun Tze, Konfuzius oder Laotse und überlegte mir, welche Ratschläge sie einem Manager wohl gegeben hätten. So handelten die Bücher in dieser Phase von den Ratschlägen der chinesischen alten Weisen, die sie den Managern von heute wohl gegeben hätten. Diese Bücher kamen im Markt sehr gut an und auch in meinem Unternehmen wurde man auf mich, den Schreibenden, aufmerksam. Gut für meine Entwicklung.

Im Laufe der Jahre verdiente ich gut, sowohl in meinem Brotberuf wie auch mit meinen Büchern und ich musste mich zwangsweise mit Geldanlage beschäftigen. Ich finde es spannend, sich mit den Möglichkeiten auseinanderzusetzen, wie man sein Geld bestmöglichst vermehrt. Ich informierte mich daher ausführlich über alle Arten der Geldanlage und probierte sie mit meinem eigenen Budget aus. Schließlich empfand ich mich durchaus als Fachmann und schrieb für diverse Verlage über Geldanlage, von Aktien bis Optionsscheine. Es entstanden einige Bestseller. Dies hatte wohl weniger mit meinen Büchern, als mit dem Schicksal der Stunde zu tun. Die Telekom Aktie befeuerte den Markt, viele Menschen wollten sich über Aktien informieren. Was lag näher, als ein übersichtlich geschriebenes Buch über Aktien zu kaufen. In späteren Jahren verlegte ich mich auf die „nachhaltige Geldanlage“. Diese Bücher wurden alle Flops. Die Geldanleger interessierten sich, trotz gegenteiliger Pressemeldungen, nicht für die Nachhaltigkeit in den Geldanlagen. Ich selbst konnte aber in dieser Zeit mein eigenes Depot schärfen und nach meinen eigenen Regeln ausrichten, sodass sich allein mit meiner Geldanlage viel Geld verdienen konnte.

Die nächste Phase führte mich zurück in die Reisesparte. Es gab mittlerweile sogenannte Reiseverführer, die nicht mehr die Gesamtheit eines Landes abbildeten, sondern ganz besondere unbekannte Flecken und Sehenswürdigkeiten aus der Region. Da ich in Franken lebe und in Franken viel herumgekommen bin, hat es sich angeboten, dass ich mich um diese Region kümmerte. So schrieb ich Bücher über Mittelfranken, Unterfranken und Oberfranken. Diese Art von Büchern wurden auf dem Markt sehr begrüßt. Daher kamen die Bücher auch auf hohe Auflagen. In dieser Konzeption schrieb ich auch ein Buch über den Lutherweg und eines über die innerdeutsche Grenze. Bei diesen Büchern wurden in Text und Bild ausgewählte Orte, Sehenswürdigkeiten oder Gedenkstätten beschrieben – verbunden durch eine historische Idee. Für alle diese Bücher war eine ausführliche Recherche unbedingt notwendig. Ich lernte viel über die Region, denn man lernt ja bekanntlich nicht aus. Diese Kenntnis durfte ich an die Leser weitergeben. Für diese Bücher fotografierte ich und verwendete meine eigenen Bilder. Somit konnte ich mich neben dem Schreiben auch in der Fotografie weiterbilden. Über Nürnberg erschien sogar noch ein eigener Bildband.

Durch einen persönlichen Schicksalsschlag in meiner Familie entwickelte sich das Schreiben für mich zu einer therapeutischen Selbst-Behandlung. Ich war meinem Gott sehr kram über unser Schicksal. Dies verarbeitete ich nun schreibend, indem ich ihn anklagte.  Es entstanden drei Bücher, die ich als Gattung Reli-Fiction bezeichnen möchte. Es handelt sich um romanhafte religiöse Fiktionen. In ihnen kam ich zu der Meinung, dass wir Menschen unser Schicksal wohl weitgehend selbst zu verantworten haben, es uns aber besser gehen könnte, wenn wir intensiver auf Gott oder Jesus hören. So geht es in diesen drei Büchern darum, wie Gott vor den Menschen sichtbar wird. Ich muss dabei eingestehen, dass es wohl keine literarischen Meisterwerke waren. Der Verkauf ließ zu wünschen übrig, in Summe waren es wohl Flops. Auch die These ist wohl gewagt, dass die Menschen ein besseres Leben führen, wenn sie Gott erkennen, sie seine Existenz erfahren. Aber mir half die Schreib-Therapie. Ich kam wieder in mein Lebensgleichgewicht.

Diese Phase habe ich abgeschlossen mit zwei Psalmenbüchern. Ein weiteres wird noch folgen. Ich hatte früher kein großes Vergnügen, Psalmen zu lesen, da die Autoren sich sehr kriegerisch und rustikal äußern. Gott möge ihre Feinde vernichten. Seit dem Ukrainekrieg glaube ich jedoch, dass solche Gebete auch heute noch legitim sind. Ich habe die Psalmen sprachlich und inhaltlich in die heutige Zeit gehoben.

Damit bin ich bei meinem 101. Buch angelangt. Im Jahr 2023 folgen noch ein Psalmenbuch und wahrscheinlich drei Bücher über Oberfranken. Außerdem das Geschenkbuch „Ostern“. In ihm wird die Ostergeschichte in einer neuen, knappen, schnellen Sprache erzählt. Es könnte mit diesem Buch wieder eine neue Themen-Phase beginnen.

Lesung zu Ostern

Möchten Sie in Ihrer Gemeinde Ostern 2023 einmal etwas anders feiern?

Mit einer inspirierenden Lesung und tiefgründigen Songs?

Im Patmos-Verlag kommt im Januar mein Buch Ostern heraus. Es behandelt die Ostergeschichte in einer unkonventionellen Sprache. Ergänzt wird die Lesung mit Pop-Songs, die ihrerseits die Ostergeschichte interpretieren.

Gesprochen von Werner Schwanfelder, auf der Gitarre begleitet und gesungen von Siegfried Staab.

Die Darbietung dauert ca. 75 Minuten. Wir bitten um ein Honorar von 100 €.

 

Die Lesung ist eine gute Möglichkeit, sich in der Gemeinde auf das Osterfest vorzubereiten oder es würdig zu begehen. Dem Thema entsprechend bieten wir Lesungen in der Zeit von Anfang Februar bis zum 10. April, ggfs. kurze Zeit danach an. Bitte vereinbaren Sie rechtzeitig mit uns einen Termin.

Lesung über Weisheit und Weisheitsgeschichten

Sind Sie weise? Musikalische Lesung

Folgende Termine sind vereinbart:

11.1.2023, 19.30 Uhr Gemeindehaus Dambach

18.1.2023, 19.30 Uhr VHS Obermichelbach

1.2.2023, 19.30 Uhr Gemeindehaus Katzwang

Sollten Sie nur kleine Zweifel haben, können wir Ihnen mit unserem Vortrag über Weisheit weiterhelfen.
Weisheit ist ein hohes Gut. Es wird vererbt von Generation zu Generation. Es ist ein wichtiger Rohstoff der Menschheit, der sich vermehrt, wenn man ihn pflegt. Die Weisheit kann nie knapp werden, nie ausgehen, nie verschwinden. Manchmal kümmern sich die Menschen in ihrem Leben nicht um die Weisheit. Aus vielerlei Gründen. Aber dennoch ist die Weisheit vorhanden, vielleicht ist sie nur ein bisschen in den Hintergrund geraten. Mit diesem Buch will ich die Weisheit wieder in den Vordergrund rücken.
Die Weisheit wird in kleinen Happen weitergegeben, in kleinen Geschichten. Sie sind in aller Welt verbreitet. Der Leser staunt, dass die Weisheit in allen Kulturen, in allen Erdteilen sich ähnelt. Weisheit ist international.
Dieses Buch ist eine Sammlung von Weisheitsgeschichten. Zwischen den Buchdeckeln befindet sich eine Fülle von Weisheit. Sie will vom Leser befreit werden. Und sie soll weitergegeben werden. Ich habe diese Weisheitsgeschichten eigentlich für meinen Enkel Joscha zusammengestellt. Weil er in Zukunft die Aufgabe hat, Weisheit anzuwenden und weiterzugeben. Von dieser Weisheitssammlung sollen aber auch alle anderen, Groß und Klein, Kinder, Enkel und Urenkel profitieren. Ich wünsche dem Buch Flügel, dass es viele Menschen erreicht.
Mein Freund Sigi Staab hat dazu passende Weisheits-Lieder herausgesucht. Ich habe noch einige Fotos aus meiner Foto-Maler-Werkstatt beigefügt. So können wir ein Potpourri von Text, Musik und Bild bieten.

Ostern neu erzählt

Ostern neu erzählt

 

  • Sätze.
  • Na ja, meistens.
  • Aber kurze.

 

Die Geschehnisse rund um die Passion und die Auferstehung Jesu gehören zu den zentralsten und bekanntesten Passagen des Neuen Testaments. In der Zeit um Ostern werden sie in allen Kirchen gelesen. Wer in der Bibel liest, hat die Geschichten im Ohr. Vielen sind sie auch aus der geistlichen Musik bekannt.

Manchmal hilft es, ein bisschen am Regler zu drehen, um altvertraute Töne anders zu hören, hinzuhören, neu zu hören – und dann auch neu zu verstehen. Man sieht Werner Schwanfelder manchmal förmlich ein bisschen in den Knien federn und leicht mit den Fingern schnippen, wenn er die Ereignisse vom Einzug Jesu in Jerusalem bis zum Erscheinen des Auferstandenen in schnellen rhythmischen Sätzen nacherzählt und dabei die Grenzen zwischen Damals und Heute zu fließen beginnen. Die altvertraute Geschichte – näher herangeholt und überraschend neu erschlossen. Im Hosentaschenformat als sympathischer Begleiter von Gründonnerstag bis Ostermontag.

 

Über die Weisheit und über die Dummheit

Die beiden Schwestern: Weisheit und Dummheit

Es geht um Dummheits- und Weisheitsgeschichten

 

Eigenartigerweise gibt es keine Dummheitsgeschichten. Die Menschheit kennt nur Weisheitsgeschichten. Diese Tatsache beruht auf dem Gedanken, dass solche Geschichten Weisheit lehren. Das ist vielfach richtig. Aber häufig beginnen diese Geschichten mit Dummheiten. Es wird dann zunächst beschrieben, wie der Akteur sich dumm benimmt, dumme Entscheidungen trifft oder einfach übertriebene Erwartungen und Vorstellungen hat. Im Laufe der Geschichte kommt er zur Einsicht und beginnt, weise zu handeln. In diesem Sinne sind solche Geschichten Dummheits- und Weisheitsgeschichten in einem. Das ist kein Widerspruch, sondern leicht nachvollziehbar. Es muss erst eine Dummheit geben, aus der man lernen kann, um zur Weisheit zu gelangen. Wir können also von Weisheitsgeschichten sicherlich viel profitieren, weil sie uns auch die menschlichen Dummheiten offenbaren. Somit könnte man sie mit Recht auch Dummheitsgeschichten nennen. Doch sind wir ehrlich: Weisheitsgeschichten klingen besser.

 

Morbider Sonnenblumen-Charme

Morbider Sonnenblumen-Charme

Im August beginnt der Herbst. Besonders gut kann man dies an den Feldern der Sonnenblumen erkennen. Im Sommer stehen sie prächtig in Reih und Glied, aufrecht und entschlossen, ihren Blütenkranz der Sonne entgegen reckend. Dann verlieren sie so allmählich ihren Glanz. Die Blüten neigen sich. Der Betrachter hat den Eindruck, dass die Blumen ihre Köpfe hängen lassen. Gerade bei den Sonnenblumen hinterlässt dies einen traurigen Eindruck. Das Leben geht zu Ende. Die Sonnenblumen verlieren ihre Pracht, strahlen nicht mehr, und neigen ihre Häupter zur Erde hin. Auf mich wirkt dieser morbide Charme mit einer großen Anziehung. Gerade der Verfall steht für sehr schöne Stimmungsbilder. Einige davon habe ich hier abgespeichert.

Kunst aus Abfall

Kunst aus Abfall

Wenn man eine Reise macht, dann kann man etwas erzählen. Man kann meistens auch sehr viele Bilder zeigen. So habe auch ich auf meiner Kaukasus Reise sehr viele Bilder gemacht. Meine Städteporträts sind auf meiner Homepage gespeichert. Viele andere Bilder ruhen aber sanft in meinem Computer. Weiterhin gibt es viele Bilder, die einfach Schrott sind: verwackelt, verzogen, verkehrt belichtet, ein schlechter Ausschnitt. Normalerweise übergibt man diese Bilder sehr schnell dem elektronischen Papierkorb. Dann sind sie weg. Ich habe sie dieses Mal gesammelt, in einer Extradatei. Dann habe ich mit allen möglichen Tricks der Bildbearbeitung an diesen Bildern Korrekturen vorgenommen. Es ist ganz interessant, was dabei herausgekommen ist. Es entstanden nämlich neue Bilder, die für sich fotografisch ernst genommen werden müssen. So können gute Bilder, kleine Kunstwerke aus dem Fotomüll einer Reise entstehen.

Baku, die Hauptstadt von Aserbaidschan

Baku, die Hauptstadt von Aserbaidschan

Baku, die Moderne – Hauptstadt Aserbaidschans

 

Baku ist Hauptstadt, aber Baku ist nicht Aserbaidschan. Baku ist ein moderner Klecks in einer ärmlichen, traditionellen, von Wüste und karger Vegetation geprägten Landschaft. Aber auch das stimmt nur bedingt, denn in den Ausläufern zu Georgien wird das Land grün, schön. Dort wachsen die besten Weinreben.

Baku liegt am Kaspischen Meer mit einer Altstadt, die seit 2000 als UNESCO-Welterbe ausgezeichnet ist. In Baku mischen sich viele Kulturen und Baustile, insbesondere treffen türkisch-islamische Elemente auf starke westeuropäische und russisch-osteuropäische Einflüsse. In den letzten Jahren entstanden im Zuge des aserbaidschanischen Wirtschaftsaufschwungs zahlreiche Wolkenkratzer und hochmoderne Bürogebäude. Das Vorbild ist Dubai. Man strengt sich an.

Aserbaidschan ist das bevölkerungsreichste Land im Südkaukasus: Hier leben rund zehn Millionen Menschen. Ein Viertel der Bevölkerung lebt in Baku.

Politisch denkt man meistens zuerst an das Schlechte: Korruption, Öl, Krieg. Doch lässt sich das Land nicht allein darauf reduzieren und nicht alle Vorurteile sind richtig.

Besonders mit seiner modernen Architektur punktet die Stadt. Nationale und internationale Top-Architekten haben das Stadtbild geprägt. Besonders eindrucksvoll sind neben Hadids Heydar Aliyev Center der SOCAR Tower, das Teppichmuseum, das aussieht wie ein eingerollter Teppich, und die Flame Towers. Letztere symbolisieren das Feuer, das in Aserbaidschan – dem „Land des Feuers“ – eine große Rolle spielt.

Baku wurde auch die „schwarze Stadt“ genannt und damit auf den Ölreichtum angespielt. Die Brüder Robert und Ludwig Nobel – Verwandte des Nobelpreis-Stifters Alfred Nobel – machten ab 1878 mit aserbaidschanischem Erdöl ein Vermögen. Die Region um die Hauptstadt Baku ist reich an Ölvorkommen, auf den Ölfeldern wurde zeitweise fast die Hälfte der weltweiten Ölproduktion gefördert. In Baku bauten die Nobels die Villa Petrolea, in der heute das Nobel-Museum untergebracht ist. Die Umweltverschmutzung durch die Ölförderung erinnert auch heute noch an die „schwarze Stadt“. Das Erdöl ist Fluch und Segen zugleich: Segen, weil es lange Zeit viel Geld für den Staat bedeutete; Fluch, weil es abhängig macht. Als die Ölpreise 2014 in den Keller fielen, geriet die aserbaidschanische Wirtschaft ins Taumeln. Es gab Massenproteste, weil das Geld immer weniger wert war, die Preise für Lebensmittel enorm gestiegen waren. Mit dem Ende des Ölbooms stellt Aserbaidschan nunmehr seine Wirtschaft breiter auf und will in die Bereiche wie Technologie und Innovation investieren.
Auf dem World Press Freedom Index belegt Aserbaidschan nur Platz 167 von 180 Staaten, was einen guten Blick auf die Situation der Gesellschaft zulässt. Das autoritäre Regime nimmt auch auf anderen Wegen Einfluss. Aserbaidschan „kauft“ seit Jahren mit teuren Geschenken und Reisen Politiker im Europarat und im Deutschen Bundestag.

Wichtigster Krisenherd des Landes ist Bergkarabach. Die Region wird von Aserbaidschan und seinem Nachbarland Armenien gleichermaßen beansprucht. Dort existiert die nicht international anerkannte Republik Arzach, in der fast ausschließlich Armenier leben, die jedoch mitten im Staatsgebiet von Aserbaidschan liegt. Nach dem Zerfall der Sowjetunion begann der Konflikt zu eskalieren, Armenien und Aserbaidschan führten einen blutigen Krieg, der 1994 mit einer Kontrolle Armeniens über das Gebiet endete. Seitdem flammt der Konflikt immer wieder auf. 2020 eroberte Aserbaidschan große Teile Bergkarabachs zurück. Der Waffenstillstand wurde seither immer wieder gebrochen und gipfelte im Mai 2021 in den letzten Grenzkonflikt.

Im Mai 1918 wurde die Aserbaidschanische Demokratische Republik ausgerufen. Aserbaidschan war damit der erste mehrheitlich muslimische Staat, der demokratisch war und nicht auf muslimischen Überzeugungen gründete. Als einer der ersten Staaten weltweit führte Aserbaidschan 1918 das Frauenwahlrecht ein – im gleichen Jahr wie Deutschland und als erster mehrheitlich muslimischer Staat überhaupt.

Baku liegt auf der Apscheron-Halbinsel. Archäologische Funde belegen, dass dieses Gebiet bereits seit 8000 Jahren besiedelt war. Im 12. Jahrhundert wurde sie Hauptstadt des Reiches. Der Palastbereich und die Wohnbauten befanden sich innerhalb der Festungsanlage, der heutigen Altstadt. Die Erdöllagerstätten sind zwar seit dem 8. Jahrhundert bekannt, wurden aber kommerziell erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von europäischen Erdölförderunternehmen, ausgebeutet. Zum Ende des 20. Jahrhunderts waren die Ölreserven an Land erschöpft, der Förderung wurde danach ins Kaspische Meer verlagert.

Seit 1918 war Baku die Hauptstadt der „Aserbaidschanischen Demokratischen Republik,“ zwischen 1922 bis 1991 die der Aserbaidschanischen Sowjetrepublik und ist seitdem die Hauptstadt des selbständigen Aserbaidschans.

Jerewan, die Hauptstadt Armeniens

Jerewan, die Hauptstadt Armeniens

Mit einem Fuß in der Zukunft

 

Die armenische Hauptstadt hat seit dem Ende der Sowjetzeit einen großen Sprung nach vorn gemacht. Häufige Besucher behaupten, die Stadt habe sich in den letzten fünf Jahren zur Metropole entwickelt. Sie galt lange Zeit als die traurige, die dunkle, die geheimnisvolle Stadt am Fuß des ewig mit Schnee bedeckten Ararat. Nun befinden sich in der Altstadt viele neue Cafés und Restaurants, die auch voller Menschen sind. Früher sah man vielerorts ein vergilbtes Bild von Charles Aznavour – dem berühmtesten aller Armenier. Er verkörperte den Traum von westlicher Lebensart. Da er aber viele traurige Lieder im Repertoire hatte, brachte er auch wieder die Traurigkeit nach Armenien. Mit einem Fuß zurückgekehrt sind viele Armenier aus dem Libanon oder aus Syrien, die in dem Land ihrer Vorväter Geschäfte machen wollen und der Stadt eine Erfrischungskur verordnet haben. So ganz sicher sind sich viele aber noch nicht. Der Konflikt um Bergkarabach steckt allen in den Gliedern. Die Russen sind präsent und geben sich als Schutzmacht. Ob das für die Zukunft des Landes spricht, ist ungewiss.

Eine gewisse Veränderung kann man auf jeden Fall bei der Kleidung der jungen Leute erkennen. Gab es noch vor wenigen Jahren russische, eher praktische Klamotten, stehen heute farbiges Outfit, sportlich und elegant, im Vordergrund. Bunt heißt sich freuen, sagen die alten Armenier. Gut so. In Gesprächen stößt man aber immer wieder auf die kultivierte armenische Traurigkeit. Die Wirren um die Karabach-Politik sind ja noch nicht vorbei, Türken und Aserbaidschaner gelten als Feinde. Auch die Plattenbauten des Sowjetsozialismus kann man nicht so schnell überwinden, denn die Menschen benötigen diesen Wohnraum. Von Marktwirtschaft kann nur in Grenzen die Rede sein. Das Land wird in weiten Teilen von einer Oligarchie beherrscht, mit Wurzeln in Karabach und KGB-Vergangenheit, die dem Wirtschaftsleben ihre Prägung aufgezwungen haben. Sie haben ausreichend Rubel, um das Leben zu genießen und gleichermaßen zu gestalten. Im Krieg haben sie verdient, ihren Reichtum wollen sie noch nicht aufgeben. Politik und wirtschaftliche Macht sind undurchsichtig miteinander verwoben, Korruption ist ein alltägliches Problem.

Das Leben ordnet sich langsam und auf gewundenen Wegen. Der Glaube an die Zukunft nimmt zu. Doch es gibt auch eine weit verbreitete Sowjetnostalgie, besonders unter den Älteren. So wirkt auch das Stadtbild nach wie vor. Es gibt noch die Ensemblebauten aus der Stalinzeit: massive Häuser aus lokalem rötlichem Tuffstein mit angenehmer Traufhöhe, Säulen, Balkons, verziert mit armenischen Ornamenten. Glücklicherweise ist es kein sowjetischer Einheitsstil geworden. In den Vorstädten kann man die schäbigen Plattenbauten begutachten. Sie werden nicht so schnell verschwinden.

Jerewan ist ziemlich alt. Die Gründung der Stadt geht auf das Jahr 782 vor Christus zurück. Es ist mythisches Land. Babylon hinterließ in der Festung Erebuni seine sichtbaren Einflüsse. Und später wollte man gerne den Erzählungen vertrauen, dass der biblische Garten Eden nicht weit ist und dass am Gipfel des allgegenwärtigen Ararat Noah mit seiner Arche gestrandet ist. Leider liegt der Ararat auf türkischem Staatsgebiet.

Armenien ist das älteste christliche Land der Erde, seine Kirche ist 20 Jahre älter als die des Vatikans. Wichtig ist auch, dass das Land eine eigene Schrift und Sprache hat. Gleichzeitig isoliert dies auch die Bevölkerung. Aber Anfang des 19. Jahrhunderts war Jerewan immer noch ein Marktflecken mit 12 000 Einwohnern. Er entwickelte sich langsam, nachdem die Russen 1827 die Stadt den Persern abgenommen hatten. Der große Wachstumsschub setzte jedoch erst nach dem Ersten Weltkrieg ein. Das Land wurde damals Zufluchtsort für die Überlebenden des osmanischen Völkermords an den Armeniern (1915/16). Sie brachten auch eine lähmende Traurigkeit mit, die heute noch nicht ganz überwunden ist. Heute leben in der Stadt deutlich über eine Million Einwohner.

Mittelpunkt ist der belebte Platz der Republik im Zentrum der Stadt, umgeben von den wichtigsten Regierungsgebäuden, dem Historischen Museum und der staatlichen Gemäldegalerie. In den Abendstunden hüpfen die Wasserfontänen zu lockerer Musik. Viele Schaulustige wollen dabei sein.

Nicht weit entfernt ist die hundert Meter hohe Kaskade mit einer Parkanlage an ihrem Fuß. In dieser Parkanlage stehen viele beeindruckende Skulpturen internationaler Künstler, alle von großer Schönheit, aber in der Unruhe der Anlage mit vielen Menschen auch etwas gewöhnungsbedürftig.

Beeindruckend ist natürlich der Besuch in Tsitsernakaberd, was wörtlich so viel wie Schwalbenfestung bedeutet. Auf dieser Anhöhe steht seit 1968 ein großer Denkmalkomplex für die Opfer des Völkermords: ein 44 Meter hoher Obelisk, zwölf Pylonen rings um eine ewige Flamme und eine 100 Meter lange Mauer mit den Namen der Städte und Dörfer, aus denen die Opfer der Massaker stammten.

Viele Exil-Armenier investieren in der Stadt, um mit neuer Architektur oder Denkmälern das sowjetische Erbe und die orientalische Mentalität zu überwinden. Erfolg ist ihnen zu wünschen.