Lesung zu Mittelfranken

Der Verlag will für alle seine Bücher Kurzlesungen auf seine WEB-Seite stellen. So habe ich auch drei Beiträge in meinem Garten vorgelesen. Mein Freund Sigi hat gefilmt. Dieses Filmchen habe ich auf YouTube hoch geladen. So können alle Menschen die Kurzlesung genießen.

Weisheit und Weisheitsgeschichten

Sind Sie weise? Musikalische Lesung

Donnerstag, den 18.11.2021 um 19.30 Uhr in der VHS Obermichelbach

Sollten Sie nur kleine Zweifel haben, können wir Ihnen mit unserem Vortrag über Weisheit weiterhelfen.
Weisheit ist ein hohes Gut. Es wird vererbt von Generation zu Generation. Es ist ein wichtiger Rohstoff der Menschheit, der sich vermehrt, wenn man ihn pflegt. Die Weisheit kann nie knapp werden, nie ausgehen, nie verschwinden. Manchmal kümmern sich die Menschen in ihrem Leben nicht um die Weisheit. Aus vielerlei Gründen. Aber dennoch ist die Weisheit vorhanden, vielleicht ist sie nur ein bisschen in den Hintergrund geraten. Mit diesem Buch will ich die Weisheit wieder in den Vordergrund rücken.
Die Weisheit wird in kleinen Happen weitergegeben, in kleinen Geschichten. Sie sind in aller Welt verbreitet. Der Leser staunt, dass die Weisheit in allen Kulturen, in allen Erdteilen sich ähnelt. Weisheit ist international.
Dieses Buch ist eine Sammlung von Weisheitsgeschichten. Zwischen den Buchdeckeln befindet sich eine Fülle von Weisheit. Sie will vom Leser befreit werden. Und sie soll weitergegeben werden. Ich habe diese Weisheitsgeschichten eigentlich für meinen Enkel Joscha zusammengestellt. Weil er in Zukunft die Aufgabe hat, Weisheit anzuwenden und weiterzugeben. Von dieser Weisheitssammlung sollen aber auch alle anderen, Groß und Klein, Kinder, Enkel und Urenkel profitieren. Ich wünsche dem Buch Flügel, dass es viele Menschen erreicht.
Mein Freund Sigi Staab hat dazu passende Weisheits-Lieder herausgesucht. Ich habe noch einige Fotos aus meiner Foto-Maler-Werkstatt beigefügt. So können wir ein Potpourri von Text, Musik und Bild bieten.

Die Müllkrise

Die Müllkrise

 

Ich saß mit der Geliebtesten meiner Ehefrauen beim Morgenkaffee. Jeder las in seiner Zeitung. Es war ein ruhiger, friedlicher, schmerzloser Morgen. Der Kaffee schmeckte richtig gut. Die Zeitungen brachten wenig Aufregendes. Manchmal pflegt mir meine liebe Frau eine Überschrift vorzulesen und fragt dann, ob ich das schon gelesen habe. Ich erkenne an ihrer Frage, dass sie sich gerne mit mir darüber unterhalten möchte. Aber ich muss wahrheitsgemäß sagen, dass ich diesen Artikel, ja diese Zeitung noch nicht gelesen habe. Das geschieht erst nach dem Mittagessen.

An diesem wunderbaren Morgen erschrickt sie urplötzlich ein Motorengeräusch, das an- und abschwillt, dann mechanische Geräusche. Sie könnten allesamt von einem Müllwagen stammen, der durch die Burgstallstraße fährt.

Meine geliebte Frau fährt auf und fragt, ob ich den Müll hinausgestellt habe.

Ich verneine, denn heute ist Samstag. Am Samstag wird kein Müll abgeholt. Jedoch wurde in dieser Woche weder der Plastikmüll noch der Restmüll abgeholt. Es war den Müllfahrern wahrscheinlich zu kalt. Ich habe die Mülltonnen rechtzeitig auf die Straße gestellt und nach unvollrichteter Leerung wieder hineingestellt.

Nun stürzt meine geliebte Frau zur Haustüre, sucht nach Mülltonnen. Aber in unserer Straße stehen keine. Sie ist ganz aufgeregt. „Es ist zu spät. Sie haben unseren Müll nicht abgeholt. Du hast ihn nicht hinausgestellt.“

Ich gebe ihr recht und denke, damit ist das Thema erledigt.

Aber sie sieht mich richtig entsetzt an und fragt verzweifelt: „Was machen wir jetzt mit dem Müll?“

„Wir warten bis zur nächsten Abholung.“

Ich wende mich wieder meiner Zeitung zu. Da donnert sie mich an: „Mit dir kann man sich nicht einmal über den Müll unterhalten.“

Ich widerspreche ihr: „Mein Liebes, natürlich kannst du dich mit mir über den Müll unterhalten. Was möchtest du wissen?“

„Du nimmst mich nicht ernst, nicht einmal beim Müll.“

Ich führe aus, dass wir in den Tonern noch genügend Kapazität bis zur nächsten Leerung haben. Aber sie wirft mir vor, dass ich den Müll nicht ernst genug nehme.

Ich setze zu einer größeren Rede an, deren Inhalt sich so zusammenfassen lässt: Die beste Lösung wäre die Müllvermeidung.

Sie ist empört. „Wir können nicht einfach mal so über den Müll reden und dann Entscheidungen treffen.“

Ich erkundige mich, welche Entscheidungen wir jetzt treffen könnten. Ich könnte alle Tonnen auf die Straße stellen. Im Laufe des Monats werden sie dann geleert. Aber dieses Verfahren erscheint ihr zu unlogisch.

Fast verzweifelt fragt sie: „Was können wir jetzt tun?

„Den Bürgermeister anrufen.“ Ein Bürgermeister muss seinen Bürgern auch samstags Antwort geben. Außerdem ist er ja irgendwie schuld, wenn der Müll nicht abgeholt wird.

Meine geliebte Frau findet die Antwort nicht gut.

„Wir könnten auch die zweite Bürgermeisterin anrufen.“ Mit ihr sind wir befreundet, wir könnten uns auch gleichzeitig nach ihrem werten Befinden erkundigen.

Meine geliebte Gattin seufzt. Sie schluchzt, mit mir könne sie sich nicht über den Müll unterhalten.

Ich mache ihr den Vorschlag, einen Termin für eine gezielte Müll-Besprechung zu vereinbaren. Aber das will sie nicht. Sie will sich mit mir spontan über den Müll unterhalten. Außerdem zweifelt sie an meiner Kompetenz. Ich habe versagt. Ab sofort will sie die Müllverwaltung übernehmen.

Ich wende mich meiner Zeitung wieder zu.

Nachdem wir Sport gemacht haben, uns gewaschen, gekämmt und geföhnt haben, möchte sie von mir geküsst werden. Ich verweigere dies, denn sie hat mich stark verunsichert. Ich weiß nun, dass ich für meine Familie nicht mehr sorgen kann.

Sie will sich darüber aber nicht mehr mit mir unterhalten. Ich habe jetzt zwei Mülltonnen auf die Straße gestellt.

 

In meinem nächsten Leben werde ich Frau

In meinem nächsten Leben werde ich Frau

Ich habe mir vorgenommen bei meiner Wiedergeburt – die wohl demnächst stattfinden wird – als Frau auf der Welt aufzutreten. Frauen haben heutzutage viel mehr Chancen als Männer. Man denke nur an all die unterschiedlichen Quoten die es gibt, bereits festgezurrt oder nur gedanklich hinterlegt. Jedenfalls werden Frauen bevorzugt. Frauen mit ein kleinwenig Sachverstand können sofort ins Management großer Unternehmen einsteigen. In der Politik sind sie ebenso präsent und in der Kultur sollen auch weibliche Bilder bevorzugt werden.

Selbst in China mit seiner desaströsen Ein-Kind-Politik, die zulasten der Mädchen ging, hat sich der Wind gedreht. Frauen werden heutzutage mit Gold aufgewogen. Sie können wählen zwischen den schwerreichsten Junggesellen.

Dabei besteht in der Gesellschaft neben der Bevorzugung der Frau immer noch der Reflex eines Schutzes der Frau. Warum gilt der Grundsatz „Frauen und Kinder zuerst!“? Den Untergang der Titanic überlebten nur 20 Prozent Männer an Bord, aber 75 Prozent der Frauen. War das angemessen?

Ich habe den Eindruck, dass das männliche Leben „seit je weniger wert“ ist. Wenn ein Mann und Frau gemeinsam auf einem Gehsteig spazieren gehen, haben viele Benimm-Dich-Ratgeber immer noch vorgeschrieben, dass der Mann auf der Straßenseite gehen soll. Ein ausbrechendes Auto, von einer Emanze gesteuert, mäht dann den Mann nieder und nicht die Frau. Kann mir jemand sagen, warum dies so sein soll?

Früher wurde Frauen der Besitz von Privatvermögen verwehrt, sie wurden vom Berufsleben ausgeschlossen. Das war damals zu ihrem Schutz gedacht. Schutz vor dem harschen Finanzmarkt, Schutz vor der belastenden Arbeitswelt. Heute gilt dies nicht mehr. Daher müssen die Männer Frauen finanzieren, die sich verspekuliert haben und die Windeln der Kinder wechseln, weil die Frau irgendein Meeting hat. Und so weiß man auch ohne den Kommentar des japanischen Olympia-Gurus, dass Frauen Meetings endlos in die Länge treiben. Frauen reden zu viel und schlimmer noch, sie fragen zu viel. Die Männer müssen dann alles erklären. Das braucht eben Zeit.

Ich glaube, dass Frauen nicht schutzbedürftiger sind als Männer, nicht am Arbeitsmarkt und nicht auf sinkenden Schiffen. Im Gegenteil. Ist es in unserer heutigen Welt nicht so, dass die Männer benachteiligt sind?

Aus aktuellem Anlass stelle ich mir die Frage: Warum werden Männer nicht bevorzugt gegen Covid-19 geimpft?

Das RKI schreibt, das Risiko, an Covid-19 zu sterben, sei bei Männern signifikant. Im Wissenschaftsjournal Nature heißt es, „in allen Altersgruppen über 30 Jahren haben Männer ein deutlich höheres Sterberisiko, was ältere Männer zur meistgefährdeten Gruppe macht“. 70 Prozent der deutschen Covid-Betten sind von Männern belegt. Es sind in Deutschland ungefähr doppelt so viele Männer an Covid-19 gestorben wie Frauen. Warum werden Männer nicht bevorzugt geimpft? Wenn es das Ziel ist, Intensivbettenbelegung zu reduzieren und so das Gesundheitssystem zu schützen. Wenn es das Ziel ist, die Totenzahlen gering zu halten. Wenn wir die Mortalitätsrate, die wir bei Frauen zwischen 80 und 85 sehen, bei Männern schon im Alter von 75 und 80 sehen. Warum wird in den Altersgruppen nicht auch nach Geschlecht differenziert?

Diese Forderung wurde bisher nicht gestellt. Lieber Männer-Freunde, lasst uns aufstehen und diese Forderung in die politische Arena einbringen. Ich bin mir sicher, für die Bettenbelegung und die Totenzahlen wäre es besser, Männer zu priorisieren. Doch das scheint nicht machbar zu sein. Dabei liegt es auch an diesem Fall an den Vorschriften des Datenschutzgesetzes. Denn die Männer müssten sich als Männer zu erkennen geben. Das geht aber nicht – wegen dem Datenschutz.

Häufig hört man, die Männer seien selbst für ihre ungesunde Lebensführung verantwortlich. Sie saufen zu viel, essen übermäßig und waschen sich nicht die Hände. Also selbst schuld. Aber selbst wenn Männer maßgeblich selbstverantwortlich sind, was sie wahrscheinlich nicht sind, macht das sie nicht weniger schützenswert. Medizin bedient sich nicht der Schuldfrage.

Diese Frage der Priorisierung wird heute in der politischen Diskussion gar nicht aufgeworfen. Das bedeutet, wir leiden heute noch an der gleichen Einstellung, der die Titanic-Männer benachteiligte.

Es kann sein, dass Männer nicht priorisiert werden. Weil es nicht machbar ist, weil die Welt nicht fair ist. Es sollte dennoch eine Selbstverständlichkeit sein: der Schutz der Schwachen. Die Schwachen, das sind in diesem Fall die Männer.

 

Und deshalb komme ich im nächsten Leben als Frau zurück.

 

(inspiriert von einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung)