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Gründonnerstag

Wann erkennt man die Klarheit der Stunde?

Keine Ahnung.

Das ist bei jedem Menschen anders.

Manche finden überhaupt keine Klarheit.

Jesus sah klar. Aber noch lag sie in der Finsternis des Geschehens.

Keine konkreten Strukturen.

Keine Namen.

Doch Judas.

Was ist mit Judas?

Judas verwaltete das Geld ihrer Gruppe.

Damit sie sich ernähren konnten. Er kaufte das Brot und den Wein.

Dazu Schafskäse und Trauben.

Sie speisten nicht üppig, aber ausdauernd.

Besser vielleicht als arme Leute,

die es in Jerusalem im Überfluss gab.

Das Brot war teuer geworden, wegen den Missernten.

Zu viel Sonne, kein Regen.

Judas behauptete, sie hätten nicht mehr viel Geld.

Judas war der Sohn von Simon Iskariot.

Den Tag hatte Jesus in einem Hof verbracht.

Sich zurückgezogen.

Wollte sich nicht den Menschen aussetzen.

Auch wenn sie ihn nur feiern wollten.

Er spürte,

dass er Ruhe benötigte.

Zum Nachdenken.

Um sich zu konzentrieren. Einen Punkt anvisieren.

Der Punkt lag in der Zukunft.

Der Punkt war sein Schicksal.

Der Mensch kann das eigene Schicksal nicht erkennen.

Höchstens als einen unbestimmten Punkt.

Aber ein Punkt besagt nicht viel.

Ein Punkt muss in der Zukunft auch kein Punkt bleiben.

Er kann sich in der Breite und in der Länge verändern.

In der Fläche.

Vom Punkt zum Erdball.

Das Schicksal wird sich auf dem Erdball abspielen.

Wenn es die Gegenwart betritt.

Dann werden alle Menschen rufen.

Schreien.

Jubeln oder wehklagen?

Zum Abendessen saßen die Jünger beisammen.

An einem langen Tisch.

Eine große Tischplatte ruhte auf mehreren Füssen.

Unter einem Tischbein steckt ein Holzspan.

Damit der Tisch nicht wackelte.

Jesus murmelte, er werde nun zum Vater gehen.

Aber niemand hörte ihm zu.

Noch hörte ihm niemand zu.

Sie saßen zu Tisch, teilten das Brot.

Jesus ließ den Kelch mit dem Wein herumgehen.

Judas erklärte, dass alles teurer geworden sei.

Das lag am Krieg im Nachbarland.

Aber niemand hörte zu.

Sie aßen zunächst stillschweigend. Dann redeten sie.

Es begann mit einem Flüstern, das immer lauter wurde.

Worte, Halbsätze, Worte, Ausrufezeichen.

Wenn viele Menschen reden, kann man die Worte der Einzelnen nicht mehr unterscheiden.

Es entwickelt sich ein Singsang, ohne Höhen, ohne Tiefen.

Ein Pegel.

Dieser Singsang beruhigt.

Wirkt wie eine gewisse Art von Fröhlichkeit.

Dazwischen ein Lachen.

Aber auch ein Heulton.

Sie waren an der Tafel dreizehn Männer.

Einige Frauen im Hintergrund.

Diese servierten immer neuen Wein. Und legten Brote auf den Tisch.

Ziegenkäse gab es.

Kein Fleisch. Kein Fisch.

Sie wurden alle satt.

Die Frauen huschten hin und her.

Eine der Frauen

Küsste einen der Männer.

Oberflächlich. Spielerisch.

Es war ein lauer Abend.

Nach dem Abendessen bat Jesus um eine Schüssel und um Wasser.

Er stand auf.

Legte seine Kleider ab.

Nahm einen Schurz und umgürtete sich.

Warum nach dem Abendessen?

So steht es eben in der Bibel.

Er goss Wasser in die Schüssel.

Nun begann er, den Jüngern die Füße zu waschen.

Mit den Händen.

Sie dann abzutrocknen.

Sie waren überrascht.

Keine Gewohnheit.

Einer von ihnen wehrte ab.

„Ich bin es nicht wert.“

Aber Jesus ließ nicht locker.

„Du bist mir sehr wichtig.“

Es war Simon Petrus, der Fels.

Jesus sagte: „Was ich tue, das verstehst du jetzt nicht.

Du wirst es später erkennen.“

Petrus: „Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen!“

Jesus: „Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Anteil an mir.“

Petrus: „Wie soll ich Dich verstehen? Du bist mein Lehrer und Meister.“

Jesus: „Viel mehr. Du hast an mir Anteil.“

Was heißt das?

Petrus überlegte. Vielleicht verstand er nun.

Petrus: „Dann wasche nicht nur meine Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt!“

Jesus lächelte. „Es genügt, wenn Deine Füße gewaschen sind.“

Jesus fuhr fort: „Dann ist Dein Leben gereinigt.“

Fanfarenklänge.

Trommelwirbel.

Jesus hatte einen kleinen Schwindelanfall.

„Ihr seid rein, aber nicht alle.“ Sagte er, murmelte er.

Er wusste,

wer ihn

verraten wird.

Er wollte die Fußwaschung als Beispiel verstanden wissen.

So tue ein jeder dem anderen.

Jeder ist gleich.

Jeder ist dem andern untertan.

Der Knecht ist nicht größer als sein Herr.

Der Gesandte ist nicht größer als der, der ihn gesandt hat.

Ihr wisst dies nun.

Aber Ihr müsste auch danach handeln.

Jesus begab sich zur Ruhe.

Er lag auf dem Rücken.

Die Augen schlossen sich.

Der Atem, ging langsam, entspannt.

Über Jerusalem brach die Nacht herein.

Es war ruhig.

Nur Hunde bellten.

Warum können die Hunde nachts nicht Ruhe geben?

Niemand versteht das Anliegen der Hunde.

Sie wussten, was am nächsten Tag geschehen wird.

Sie bellten ihren Kummer in die Welt hinaus.

Doch die Menschen hörten nicht, weil sie schliefen.

Auch die Jünger.

Jesus hatte einen unruhigen Schlaf.