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Karfreitag

In einem Olivenhain kämpfte Jesus den Kampf seines Lebens.

„Warum hast Du mich verlassen?“

Er denkt, er ruft, er schreit.

Die Frage richtet er an Gott.

Wie viele Menschen nach Jesus haben diese Frage gestellt.

Und keine Antwort erhalten.

Wir Menschen erhalten keine Antwort.

Nur Jesus hätte eine Antwort erhalten können.

Von Gott zu Gott.

Aber auch er vernahm keine Antwort.

Der sündlose Sohn Gottes trägt die Sünden der Welt auf seinen Schultern.

Man sagt, die Sünde trennt den Menschen von Gott. Deshalb erhält der Mensch keine Antwort.

Deshalb versteht der Mensch die Antwort nicht.

Das ist ein Unterschied.

Erhalten wir nicht oder verstehen wir nicht?

Nur Jesus wäre der einzige Mensch gewesen, der einen Anspruch auf Gottes Antwort gehabt hätte.

Von Gott zu Gott.

Auch er bekam sie nicht.

Vielleicht hat er sie nicht verstanden.

Nein, er kannte die Antwort

Von Anfang an.

Gott hat sich vorgestellt als Jahwe: „Ich bin da“.

Das gilt für Jesus und für alle Menschen.

Von Anfang an.

Deshalb war eine weitere Antwort nicht notwendig.

Wenn es so war. Und so war es.

Warum erbat sich Jesus eine Antwort von Gott?

Weil auch ein Gott in Not sein kann, verlassen von allen.

Die Jünger schliefen.

Jesus hatte sie gebeten mit ihm zu wachen und zu beten.

Ihm Fürsorge zu geben.

Die Jünger wollten wachen, unterstützen,

versprachen ihm, schworen ihm.

Und schliefen erneut ein. Es war ein tiefer Schlaf. Kam der Schlaf von Gott?

Der Schlaf war tiefer als jeder Schlaf, den die Menschen sonst schlafen.

Sie erwachten erst als eine Gruppe von Soldaten

Bewaffnet und grimmig

In den Olivenhain kamen.

Schritt für Schritt.

Soldatenstiefel.

Das Gewehr in der Hand.

Ein Helm auf dem Kopf.

Mit einer Splitterweste geschützt.

Ein Mann namens Judas führte sie an.

Kundschafter.

Verräter.

Kassenwart.

Warum muss einer von den Jüngern ein Verräter sein?

Das macht keinen Sinn.

Jesus versteckte sich nicht. Die Soldaten hätten ihn gefunden, auch ohne Judas.

Warum benötigt Gott einen Verräter?

Weil es auf der Welt immer Verräter gibt.

Weil Verräter Verbrecher sind.

Manchmal auch nicht, wenn sie verraten, wie Menschen ausgebeutet werden.

Oder von anderen Untaten erzählen.

Verräter ist also nicht Verräter.

Auch Judas ist ein ganz besonderer Verräter.

Jedenfalls wird Jesus gefangen genommen und weggeführt.

Vorgeführt.

Petrus regt sich auf.

Schlägt zu.

Und verleugnet Jesus.

Bis der Hahn kräht. Drei Mal.

Eins

Zwei

Drei

Behörden sind in allen Ländern langsam.

Weil sie überarbeitet sind.

Weil sie behutsam agieren, vorsichtig.

Weil sie keinen Fehler begehen wollen.

Sie müssen viele Gesetze berücksichtigen. Noch mehr Vorschriften und Richtlinien.

Aber Jesus wurde schnell verurteilt.

Dabei gab es zwei Instanzen:

die Judeninstanz

und die Römerinstanz.

Die Römer interessierte der Fall nicht.

Die Juden wollten Jesus aus dem Weg räumen.

Ein Störenfried weniger.

Das Volk hatte die Seiten gewechselt.

Diejenigen, die „Hosianna“ gerufen hatten, forderten nun: „Kreuziget ihn.“

Oder war es anderer Teil des Volkes?

Die Putin-Freunde?

Jedenfalls die Anhänger der Priester und Popen.

Sie wollten Jesus eliminieren.

Denn er störte ihre Herrschaft, stellte sich gegen ihre Macht.

Die Mächtigen setzen sich immer durch.

Selbst ein Jesus kann wenig ausrichten.

Die Römer schoben Jesus den Juden zu.

Ein interner Konflikt.

Sollen ihn die Juden lösen.

Die Besatzungsmacht wäscht die Hände in Unschuld.

Bitte ein Handtuch.

Die Hände abtrocknen.

Die Römer machen sich nicht die Finger schmutzig.

Wer saß zu Gericht?

Die Hohepriester.

Gab es Vertreter des Volkes?

Geschworene?

Gab es einen Verteidiger?

Sie stimmten ab.

Tod.

Tod.

Tod.

Tod.

Sie verspottet ihn.

Zogen ihm den Mantel aus.

Auch die Kleider.

Drückten ihm das Kreuz auf die Schultern.

Schoben ihn auf die Gasse.

Sie fanden einen Mann mit Namen Simon. Er kam aus Kyrene.

War er zufällig zugegen?

Oder geschickt?

Die Soldaten zwangen ihn, das Kreuz zu tragen.

Jesus hätte die Strapaze nicht überlebt.

Wobei es wohl gleichgültig ist, vom Kreuz erdrückt zu werden oder am Kreuz hängend zu sterben.

Es geht um das Sterben.

Die Soldaten hatten den Auftrag, die Kreuzigung zügig durchzuziehen.

Es eilt.

Es standen noch mehr Kreuzigungen an. Man konnte nicht zu viel Zeit lassen.

Eine Kreuzigung nach der anderen.

Jedes Mal musste ein Kreuz aufgestellt werden.

Eine schweißtreibende Tätigkeit.

Das mussten die Pioniere umsetzen.

Sie waren kräftig. Wuchteten die Kreuze in die Halterungen.

Sie standen fest.

Sie mussten auch einem Sturm aushalten.

Aber die Wettervorhersage war sturmlos. Auch kein Regen. Das Land bräuchte Regen.

Damit das Getreide wachsen kann.

Die Soldaten trugen die Nägel, mit denen sie die Gliedmaßen an das Kreuz nageln konnten.

Warum müssen Menschen so grausam sein?

Es liegt im Gen.

Soldaten sind für die Grausamkeiten zuständig.

Sie werden dafür bezahlt.

Die Soldaten haben gelernt, grausam zu sein.

Sie vergewaltigen. Sie erschießen auch wehrlose Bürger.

Einfach die Figur vom Fahrrad herunterschießen, wie beim Zielschiessen.

Ein Schuss dauert nicht lange. Geht schnell.

Ein Mensch weniger. Jeder Mensch ein Feind.

Die Stätte hieß Golgatha.

Schädelstätte.

An das Kreuz genagelt.

Sie gaben ihm Wein zu trinken mit Galle vermischt.

Als er das schmeckte, wollte er nicht trinken.

Sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum.

Sie saßen da und bewachten ihn.

Über sein Haupt setzten sie eine Aufschrift mit der Ursache seines Todes:

„Dies ist Jesus, der Juden König.“

Ob sie überlegten?

Warum kreuzigten sie einen König?

Soldaten haben wenig zu tun. Meistens müssen sie warten.

Bis etwas passiert.

Erst dann können sie reagieren. Dann können sie Gewalt verbreiten.

Erstechen.

Erschießen.

Niederbomben.

Soldaten haben anscheinend kein Gewissen.

Das Gewehr in der Hand macht sie zu Mutigen.

Zu Gewalttätern.

Zwei Räuber wurden mit Jesus gekreuzigt.

Einer zur Rechten und einer zur Linken.

Viel Volk kam zu der Kreuzigung. Mit den Kindern. Ausflug.

Sie standen um die Kreuze herum.

Unterhielten sich, machten Witze, zeigten den Kindern die Kreuze.

Sie lästerten über Jesus.

Viel Hass.

Noch mehr Spott.

Einmal hat er gesagt, er will den Tempel abbrechen und in drei Tagen wiederaufbauen.

Er hat Kranke gesunden lassen.

Sogar Tode auferweckt.

Er hat Brot und Wein geschaffen aus dem Nichts. Und auch Fische.

Nicht zu glauben.

Wir haben es erlebt.

Wir erinnern uns daran.

Nun hängt er am Kreuz und kann sich nicht mehr rühren.

Fatal.

Hilf Dir doch selbst, Du Wundermann.

Erbärmlich…

Wenn sich ein erwachsener Mann nicht helfen kann.

Auch die Hohepriester mit den Schriftgelehrten und Ältesten spotteten.

Andern hat er geholfen und kann sich selber nicht helfen.

Er soll der König von Israel sein?

Wenn er vom Kreuz herabsteigt, wollen wir an ihn glauben.

Die Anstifter verspotten ihn.

Die wahren Schuldigen.

Er soll Gott sein. Ein Gott sollte Stärke zeigen.

Was hilft ein schwacher Gott?

Wie erkennt man die Stärke eines Gottes?

Die Menschen kennen Gottes Gedanken nicht.

Sie werden sie einst spüren.

Heftig.

Mit Schmerzen.

Desgleichen schmähten ihn auch die Räuber,

die mit ihm gekreuzigt waren.

Der auf der rechten Seite verspottete ihn.

Der auf der linken Seite bat um Mäßigung.

Oder war der auf der linken Seite, der von der rechten Seite?

Jesus entschied, dass einer mit ihm ins Reich Gottes eingehen könne.

Der andere gehe im Hades unter.

Gottes Herrlichkeit

Gegen

die Verdammnis in der Hölle.

Aber wen soll das gerade jetzt interessieren?

Niemand ist je aus dem Gottesreich zurückgekehrt, niemand hat den Hades überlebt.

So wissen die Menschen davon nichts. Die Erzählungen können nicht nachgeprüft werden.

Vertrauen.

Wir könnten den Schilderungen vertrauen.

Den Aussagen von Jesus.

Aber wie kann man einem machtlosen Gott vertrauen?

Von der sechsten Stunde an kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.

Die Sonne verwindet.

Dunkle Wolken schieben sich ans Firmament.

Es könnte Regen geben.

Aber es regnet nicht.

Kein Tropfen.

Nur Dunkelheit legt sich über das Land.

Die Naturgewalten gebären sich wild.

Wind heult über den Kreuzigungsberg.

Gut, dass die Soldaten die Kreuze befestigt haben.

Um die neunte Stunde schrie Jesus laut:

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Einige dachten, er ruft nach Elia.

Einer lief, nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Essig.

Er steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken.

Jesus schrie abermals laut und verschied.

Vorbei.

Da zerriss der Vorhang im Tempel in zwei Stücke von oben bis unten.

Die Menschen fürchten sich.

Die Naturgewalten greifen nach ihnen.

Sie beruhigen sich nicht.

Die Erde erbebt, und die Felsen reißen auf.

Die Gräber öffnen sich.

Da war ein Hauptmann,

der mit seinen Soldaten

Jesus bewachte.

Er fiel auf die Knie als er das Erdbeben spürte.

Er erschrak sehr.

Sprach: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“

Eine späte Erkenntnis.

Zu spät.

Ob der Hauptmann nun an Gott glaubte, von nun an?

Seine Taten bereute, den Dienst quittierte?

Wir wissen es nicht.