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Trump und seine Wähler

Trump ist nicht wirklich schuld.

Schuld sind die amerikanischen Wähler.

Die Amerikaner.

Ich habe keine Lust, mich über Trump aufzuregen. Er ist in meinen Augen ein Ekel, ein Krimineller, der viele Menschenschicksale auf dem Gewissen hat. Damit soll es reichen.

 

Mehr beschäftigt es mich, wer Trump gewählt hat. Das sind die wahren Schuldigen. Wir Deutsche wissen das sehr gut. Wir haben einst Hitler an die Macht gewählt. Dafür tragen und trugen wir die Verantwortung und auch die Schuld. So geht es nun den Amerikanern. Damals waren sie unsere Befreier. Vor 80 Jahren haben die Nürnberger Prozesse begonnen, die gerade von den Amerikanern und ihrem damaligen Präsidenten Franklin initiiert worden sind. Das war ein vorbildliches Lehrstück an Demokratie.

Vor einem Jahr haben sie einen Scharlatan zum Präsidenten gewählt, der bereits im Wahlkampf sehr deutlich gemacht hat, wie er regieren will. Und mit dem die Amerikaner bereits Erfahrung in einer vorhergehenden Präsidentschaft gemacht hatten. Keiner kann sich herausreden. Jeder hat es gewusst. Deshalb ist die Schuld umso größer.

Wer hat nun Trump gewählt? Die Ergebnisse waren beeindruckend. Die Mehrheit der Amerikaner hat ihn gewählt. Man kann leider nichts relativieren.

Ich habe eine Studie gelesen, auf die ich mich hier auch beziehe, über die Bevölkerungsgruppen, die Trump gewählt haben. Das Ergebnis finde ich sehr interessant.

Beginnen wir mit der republikanische Kerngruppe: Mit 31 Prozent der Trump-Wähler sind sie, die Erz-Konservativen, die größte Gruppe der Trump-Koalition. Sie sind religiös und vertreten die klassischen republikanischen Positionen: gegen Staatsverschuldung, gegen Abtreibung, gegen die Schwulenehe, gegen die Einmischung der Regierung in ihr Leben, gegen Obamas Gesundheitsreform, gegen das Verbot von Waffen, gegen das Pariser Umweltabkommen. Diese Gruppe wählt konsequent republikanisch, egal, wer der Kandidat ist.

Die zweite Gruppe sind die Verfechter des freien Marktes. Sie sollen 25 Prozent der Trump-Wähler ausmachen. Das sind durchaus wohlhabende, eher gebildete Amerikaner, bei sozialen Themen oft sogar fortschrittlich, vor allem aber daran interessiert, der Marktwirtschaft keine Fesseln anzulegen.

Die kleinste Gruppe: Die Unpolitischen. Sie machen nur fünf Prozent aus. Politik interessiert sie kaum, aber sie lehnen jegliche Einwanderung entschieden ab.

Es folgen die Anti-Eliten. Sie sind eine Gruppe von 19 Prozent. Politisch sind sie eher in der Mitte anzusiedeln, auch in der Einwanderungsfrage. Aber sie sind eben gegen das Establishment.

Und schließlich die Gruppe, die zu einem großen Teil früher Demokraten waren: das sind die Bewahrer eines weißen, christlichen Amerikas. Diese Gruppe von 20 Prozent sind wenig gebildet und haben geringe Einkommen. Viele sind arbeitslos und die Hälfte haben Medicaid, die staatliche Krankenversicherung für Geringverdienende, Kinder, Alte und Behinderte. Man würde sie eigentlich nicht für Republikaner halten. Sie befürworten Steuererhöhungen für die Reichen, sie machen sich Sorgen um ihre Krankenversicherung, sie sind für eine eher linke Wirtschaftspolitik. Aber sie sind vor allem gegen jegliche Einwanderung und haben starke Vorbehalte gegen ethnische Minderheiten. Diese Gruppe stimmte weitgehend gegen ihre eigenen Interessen und wählte Trump fast ausschließlich, weil auch er unaufhörlich gegen Einwanderer hetzte.

Besonders der letzten Gruppe ist eine gehörige Dummheit zu unterstellen. Sofern Sie wirklich Christen sind, sollte man ihnen sagen, dass sie sich versündigt haben.

Verantwortlich sind alle Amerikaner, die Trump gewählt haben. Viele werden die Konsequenzen bald schmerzlich bemerken. Sie werden es an ihrem Geldbeutel feststellen.

 

In der Welt verfestigt sich wieder das Bild des hässlichen Amerikaners. Aus der Ferne wirkt dies wie ein gefährliches Experiment. Da irrlichtert einer durch die Welt, der macht, was er will, weil er es kann. Er nimmt seine Bürger und gleich die ganze Welt in Geiselhaft. Adieu Demokratie.