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100 Burgen und Schlösser in Oberfranken

Wer durch Oberfranken reist, dem fällt schnell etwas auf: Kaum ein Höhenzug, kaum ein Flusstal, in dem nicht irgendwo ein Turm über den Bäumen aufragt, eine Mauer aus dem Hang wächst oder ein stattliches Dach zwischen den Dörfern hervorblitzt. Auf verhältnismäßig kleinem Raum drängen sich hier Burgen, Ruinen, Herrensitze und Schlösser in einer Dichte, wie man sie in kaum einer anderen deutschen Landschaft findet. Dieses Buch will einen Streifzug durch diese steinernen Zeugen unternehmen – und es beginnt folgerichtig mit der Frage, die sich jedem aufmerksamen Betrachter stellt: Warum eigentlich so viele?

Die Antwort liegt in der besonderen Geschichte der Region. Oberfranken war über Jahrhunderte hinweg kein einheitliches Territorium, sondern ein Flickenteppich aus geistlichen und weltlichen Herrschaften, aus Hochstiften, Markgrafschaften, Reichsstädten und unzähligen kleinen Adelsgeschlechtern, die sich Rechte, Grenzen und Einfluss oft nur wenige Kilometer voneinander entfernt streitig machten. Jede dieser Herrschaften brauchte einen sichtbaren Mittelpunkt: einen Ort, von dem aus regiert, Recht gesprochen, Zoll erhoben und notfalls verteidigt werden konnte. So entstand Burg neben Burg, Schloss neben Schloss – nicht aus Prunksucht allein, sondern aus der politischen Zersplitterung einer Landschaft, die lange Zeit mehr Grenzen als Zentren kannte. Hinzu kam die Lage an wichtigen Handelswegen zwischen Nürnberg, Bamberg, Bayreuth und Böhmen, die Wohlstand brachte, aber auch Schutz erforderlich machte, sowie eine Topographie aus Hügeln, Fels­kuppen und Flusstälern, die sich wie geschaffen für befestigte Anlagen anbot.

Diese Bauten sind also weit mehr als malerische Kulisse. Sie sind das steinerne Gedächtnis einer Region, in der sich über Jahrhunderte Macht, Glaube, Handel und Familiengeschichte verdichtet haben. Wer eine Burg oder ein Schloss betrachtet, blickt zugleich in die Geschichte ihrer Erbauer, ihrer Bewohner und der Landschaft, die sie geprägt haben. Genau deshalb widmet dieses Buch der Geschichte jedes einzelnen Bauwerks besondere Aufmerksamkeit: Nicht die Architektur allein interessiert uns, sondern die Menschen und Ereignisse, die hinter den Mauern stehen.