Maria Magdalena heute
Maria Magdalena, gesehen durch die Jahrhunderte
In Frankfurt läuft derzeit eine Ausstellung über Maria Magdalena. Sie zeigt Bilder aus vielen Jahrhunderten, und man sieht, wie unterschiedlich diese Frau gemalt wurde: mal als reuige Sünderin, mal als Vertraute Jesu, mal als leidenschaftliche Erscheinung oder als stille Zeugin der Auferstehung. Jede Epoche hat sich ihre eigene Maria Magdalena geschaffen, und jedes Bild verrät fast ebenso viel über die Zeit, in der es entstand, wie über die Frau, die es zeigt.
Besonders reizvoll ist, dass die Schau auch moderne Werke einbezieht. Zwischen altehrwürdigen Gemälden hängen Arbeiten, die die Figur neu deuten und mit heutigen Fragen verbinden. Vor ihnen kommen die Gedanken ganz von selbst ins Spiel. Wer war sie wirklich? Was wollen wir in ihr sehen? Und warum fasziniert sie uns bis heute?
Von diesen Eindrücken angeregt, habe ich selbst zwei Bilder entstehen lassen. Die Idee stammt von mir, ich habe die Anweisungen formuliert und beschrieben, was ich sehen wollte. Die Umsetzung übernahm eine künstlerische Intelligenz. Das ist ein ungewohnter Weg: Ich habe nicht selbst zur Kamera gegriffen, sondern meine Vorstellung in Worte gefasst und der Maschine überlassen, daraus ein Bild zu machen.
Ist das nun Kunst? Vielleicht ist die Frage weniger wichtig als die Erfahrung selbst. Am Anfang steht ein Gedanke, eine innere Vorstellung, die nach Ausdruck sucht. Das Werkzeug hat sich gewandelt, doch der Impuls ist derselbe geblieben, den schon die Maler vergangener Jahrhunderte hatten. Auch sie haben Maria Magdalena so gemalt, wie sie sie sahen und verstanden.
Vielleicht liegt darin die Verbindung zwischen der Ausstellung und meinen eigenen Bildern: Maria Magdalena bleibt eine Projektionsfläche, die jede Generation mit neuen Mitteln und neuen Fragen füllt. Heute eben auch mit Hilfe von Algorithmen.