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Einsamkeit: das Alleinsein, das wehtut
Einsamkeit ist nicht dasselbe wie Alleinsein. Man kann allein sein und sich wunderbar frei fühlen, beim Spaziergang im Wald oder mit einem Buch am Fenster. Und man kann mitten in einer Menschenmenge stehen, auf einer Feier, in einer Bahn oder am Familientisch, und sich trotzdem unendlich weit entfernt von allen fühlen. Einsamkeit ist keine Frage der Anzahl von Menschen um uns herum. Sie entsteht, wenn zwischen dem, was wir uns an Verbundenheit wünschen, und dem, was wir tatsächlich erleben, eine Lücke klafft.
Wie fühlt sich das an? Oft zuerst wie eine leise Leere, ein Gefühl, dass etwas fehlt, ohne dass man genau sagen könnte, was. Dann kann daraus eine Schwere werden. Der Tag zieht sich, das Telefon bleibt still, und selbst kleine Dinge wie ein Frühstück oder ein Gedanke, den man gern erzählen würde, haben plötzlich niemanden mehr, dem man sie geben kann. Manche beschreiben Einsamkeit als Kälte, andere als das Gefühl, hinter einer Glasscheibe zu stehen: Man sieht das Leben der anderen, hört es vielleicht sogar, kommt aber nicht hindurch.
Das Tückische ist, dass Einsamkeit sich selbst verstärken kann. Wer sich einsam fühlt, zieht sich oft zurück, aus Scham, aus Enttäuschung oder aus der Angst, abgewiesen zu werden. Dadurch wird der Kontakt noch seltener, und das Gefühl wächst. Es fällt schwer, darüber zu sprechen, denn Einsamkeit gilt noch immer als eine Art Makel, als hätte man etwas falsch gemacht. Dabei ist sie eine zutiefst menschliche Erfahrung. Wir sind Wesen, die auf Beziehung angelegt sind, und Einsamkeit ist so etwas wie das Signal dieses Bedürfnisses, vergleichbar mit Hunger oder Durst. Sie sagt nicht, dass wir defekt sind, sondern dass uns etwas Wesentliches fehlt.
Vielleicht liegt darin auch ein Trost. Wer Einsamkeit kennt, weiß, wie viel ein Gespräch, ein Blick oder eine Geste der Zuwendung bedeuten können. Und manchmal öffnet sich gerade aus diesem Gefühl heraus etwas: die Bereitschaft, den ersten Schritt zu tun, eine Nachricht zu schreiben oder jemanden anzusprechen, der ebenfalls wartet.
Einsamkeit tut weh, weil Nähe uns wichtig ist. Das ist schmerzhaft, aber es zeigt auch, wie sehr wir zueinander gehören.








